Seit 2020 verkauft Brooks den Catamount als schnellen Trailschuh der Marke, gemacht für kurze Distanzen. Version 4 schlägt einen anderen Ton an: mehr Schaum, eine stärker gebogene Platte und das Versprechen, auch längere Strecken zu meistern. Im Praxistest haben zwei unabhängige Tester 275 g in Größe 42,5 gewogen, also 6 g mehr als die 269 g, die Brooks angibt. Eine kleine Abweichung, aber ein Signal: Der Catamount 4 ist vielleicht nicht ganz der Allrounder, als den Brooks ihn beschreibt.

© Brooks Running, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Brooks Catamount 4: der schnelle Schuh, der Allrounder sein will
Brooks hat den Catamount 2020 eingeführt, um seiner Trail-Palette ein spritziges Modell für kurze Distanzen und hohes Tempo zu geben, als Gegenpol zum vielseitigeren und schützenderen Cascadia. Mit dem Catamount Agil kam 2024 dann Bewegung ins Spiel: Er hat die Rolle des reinen Wettkampfschuhs für kurze Trails übernommen und den Catamount in eine etwas breitere Positionierung gedrängt. Version 4 steht zu dieser Verschiebung. Die Zwischensohle legt 2 mm zu (34 mm an der Ferse statt 32 mm bei Version 3), die SkyVault-Platte ist jetzt doppelt gebogen für einen flüssigeren Abrollvorgang, und Brooks spricht inzwischen von einem Schuh für 60 bis 70 km, statt 40 bis 50 km beim Vorgänger. Die Sprengung bleibt bei 6 mm.
Auf dem Papier ist das Versprechen klar: die Dynamik behalten, die das Modell erfolgreich gemacht hat, und gleichzeitig den Einsatzbereich erweitern. Der Praxistest, abgeglichen mit drei unabhängigen französischen Quellen, bestätigt den ersten Teil dieses Versprechens und relativiert den zweiten deutlich.
Der Tipp von RunMorph: Wenn du zwischen dem Catamount 4 und einem schützenderen Schuh fürs Ultra schwankst, schau dir lieber den Cascadia Elite oder den Speedgoat 7 an. Der Catamount 4 zeigt sein Bestes auf Rennen von 25 bis 60 km, nicht darüber hinaus.
Brooks Catamount 4: Herstellerangaben gegen Messwerte
Beim Gewicht ist die Abweichung überschaubar, aber real: Brooks gibt 269 g als Referenz an, ein unabhängiger Tester von RunMag hat 275 g in Größe 42,5 gemessen, also +6 g (+2,2 %). Nichts Dramatisches, aber die Abweichung läuft genau gegen die Marketing-Story vom Schuh, der von Version zu Version leichter wird.
| Wert | Angegeben (Brooks) | Gemessen (unabhängiger Test) |
| Gewicht (Herren, 42,5) | 269 g | 275 g (+6 g) |
| Sprengung | 6 mm | 6 mm (bestätigt, über alle Quellen hinweg stimmig) |
| Stollen | 3,5 mm (Brooks-Datenblatt / Le Comparatif du Trail) | Von einer Quelle mit 4 mm angegeben, von den beiden anderen nicht bestätigt |
Dieser letzte Punkt verdient es, offen angesprochen statt glattgebügelt zu werden: Zwei französische Quellen kommen übereinstimmend auf 3,5-mm-Stollen, eine dritte nennt 4 mm. RunMorph übernimmt den Wert, den zwei unabhängige Messungen bestätigen (3,5 mm), und der passt zum begrenzten Grip, den man im Gelände spürt.

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Die Passform: ein Obermaterial, das anfangs drückt
Brooks gibt die Passform als Standard an, unverändert gegenüber Version 3. Im Gelände berichtet ein Tester mit breitem Fuß beim Reinschlüpfen von einem deutlichen Einengungsgefühl, wie bei zu fest gezogenen Schnürsenkeln, das nach den ersten Kilometern nachlässt. Das passt zur neuen Positionierung des Schuhs: Die Zehenbox bietet mehr Platz als beim Catamount Agil, aber deutlich weniger als beim Cascadia oder Caldera. Außerdem fällt der Schuh eher groß aus: Eine halbe Nummer über deiner üblichen Größe reicht, während manche Läufer bei anderen Trailmodellen eine ganze Nummer draufpacken.
Der Praxistest: 25 bis 60 km auf festen Trails
Schon bei den ersten Schritten kippt der Schuh schön nach vorn und lässt den versprochenen Vortrieb erahnen. Einmal in Fahrt, macht die SkyVault-Platte ihren Job: Auf laufbaren Abschnitten und schnellen Singletrails ist der Rebound deutlich spürbar und der Laufschritt bleibt flüssig, trotz einer leichten Steifigkeit im kalten Zustand, die nach ein paar hundert Metern verschwindet. In technischeren Passagen mit Steinen oder Wurzeln setzt du den Fuß präzise auf, ohne aber ein wirklich feines Bodengefühl zu bekommen: Dämpfung und Platte dominieren gegenüber dem Gefühl für den Untergrund.
Die beiden Quellen, die den Schuh unter realen Bedingungen getestet haben, sind sich in einem Punkt einig: Einer der Tester konnte den Catamount 4 mangels passender Bedingungen nicht bei Regen oder auf durchweichtem Boden laufen, während eine andere Quelle von einem Regenlauf ohne nennenswertes Wegrutschen berichtet. RunMorph hält sich an die vorsichtigere Lesart, die zum Sohlendesign passt: Ein breiter Mittelstreifen der Außensohle hat gar keine Stollen, was den Grip auf lockerem, nassem oder schlammigem Gelände rein mechanisch begrenzt, egal wie das Wetter am Testtag war. Auf festem, trockenem Untergrund, ob laufbar oder steinig, ist der Grip dagegen kein Problem.
Auf der Distanz gehen die Eindrücke je nach Profil leicht auseinander: Ein Tester, der mehrere kurze Läufe und einen langen Lauf über 25 km absolviert hat, berichtet von einer Dämpfung, die nach mehreren Stunden unter der Ferse straff bleibt, während ein anderer die Komfortgrenze eher bei 60-70 km sieht, statt 40-50 km bei Version 3. Bei RunMorph sehen wir in diesen beiden Rückmeldungen keinen echten Widerspruch: Der Catamount 4 legt gegenüber dem Vorgänger zu, ohne zum Ultraschuh zu werden.
Bei welchem Tempo er funktioniert, wo er abreißt
Lockerer Dauerlauf und Grundlagenausdauer: ordentlich, aber die Straffheit des DNA-Flash-v2-Schaums macht sich bei ruhigen Läufen bemerkbar, bei denen du eher Weichheit als Rebound suchst.
Langer Lauf (25 bis 40 km): das natürliche Spielfeld des Schuhs, wo der 34-mm-Stack und die SkyVault-Platte ihr Gleichgewicht finden.
Trail-Marathon-Format (bis 60-70 km): je nach Läuferprofil machbar, aber die straffe Fersendämpfung macht sich laut übereinstimmenden Praxisberichten nach mehreren Stunden Belastung bemerkbar.
Schwellentempo und schneller Kurztrail: die große Stärke des Modells, dank des Vortriebs der Pebax-Platte und eines trotz der oben genannten 6 g Abweichung niedrigen Gewichts.
Technisches und steiles Gelände: Die Stabilität hält dank der Flexibilität des Pebax, aber der begrenzte Grip zwingt dich, auf nassen oder lockeren Abschnitten vom Gas zu gehen.
Schwachpunkt Nr. 1: Grip, der auf lockerem oder nassem Boden abreißt
Die Mittelzone der TrailTack-Green-Sohle hat keine Stollen, und die vorhandenen Stollen sind höchstens 3,5 mm tief. Auf festen, trockenen Trails merkst du davon nichts. Auf Schlamm, Sand oder durchweichtem Boden bricht der Grip deutlich ein: Genau diesen Punkt nennen mehrere Tester als konkreteste Grenze des Modells, und RunMorph stuft ihn für regelmäßige Einsätze im nassen Gebirge als K.-o.-Kriterium ein.
Schwachpunkt Nr. 2: eine Passform, die breite Füße ausschließt
Die Passform wird als Standard beworben, fühlt sich beim Anziehen aber eng an, vor allem am Mittelfuß und in der Zehenbox, sobald dein Fuß breiter als der Durchschnitt ist. Nach ein paar Kilometern gibt das nach, aber wer breite Füße hat, muss entweder eine halbe Nummer größer nehmen oder sich anderswo im Brooks-Sortiment umsehen.
Brooks Catamount 4 vs. Catamount 3: Lohnt sich das Upgrade?
| Kriterium | Catamount 3 | Catamount 4 |
| Stack Ferse | 32 mm | 34 mm |
| Sprengung | 6 mm | 6 mm |
| Einsatzbereich | Kurztrail, 40-50 km | Kurzer bis mittlerer Trail, 60-70 km |
| Platte | SkyVault flach | SkyVault doppelt gebogen |
| Laufgefühl | Braver, weicher | Aggressiver, dynamischer |
Wer upgraden sollte: Besitzer der Version 3, die ihre Distanzen Richtung Trail-Marathon ausdehnen wollen, ohne die Modellreihe zu wechseln. Wer beim alten Modell bleiben kann: alle, die den Catamount 3 nur auf kurzen, schnellen Trails laufen, denn der Gewinn von Version 4 zeigt sich vor allem über die Dauer, nicht bei der Intensität.
Brooks Catamount 4 vs. Hoka Tecton X 3 vs. Salomon S/Lab Genesis: der Vergleich
| Modell | Gewicht | Sprengung | Platte | Preis |
| Brooks Catamount 4 | 269 g angegeben / 275 g gemessen | 6 mm | Pebax (SkyVault) | 170 € |
| Hoka Tecton X 3 | 259 g | 4 mm | 2 parallele Carbonplatten | 230 € |
| Salomon S/Lab Genesis | 269 g | 8 mm | Keine starre Platte | 200 € |
Kurz gesagt: Der Catamount 4 ist der günstigste der drei und bleibt trotz der gemessenen Abweichung beim Gewicht konkurrenzfähig, verliert aber beim Grip in technischem Gelände gegen die beiden teureren Konkurrenten. Für kurze, laufbare Trails mit überschaubarem Budget behauptet er sich locker. Für anspruchsvolles Berggelände hat der Tecton X 3 die Nase vorn.
So baust du den Catamount 4 in deinen RunMorph-Trainingsplan ein
Der Catamount 4 passt perfekt zu den Einheiten eines RunMorph-Trailplans, die zügiges Tempo auf laufbarem Gelände trainieren: Bergsprints, Schwellenläufe auf Trails, lange Läufe bis zum Trail-Marathon-Format. Heb ihn dir für trockene Tage oder festen Untergrund auf, und pack für Regenläufe oder die Ultras in deiner Vorbereitung ein griffigeres Paar in die Tasche.
Das Urteil des RunMorph-Coachs
Der Brooks Catamount 4 hält sein Dynamik-Versprechen und gewinnt gegenüber Version 3 an Komfort, ohne deshalb zum Ultraschuh zu werden. Die echte Schwäche ist nicht die Dämpfung, sondern der Grip: eine Sohle für festen, trockenen Boden, die auf lockerem oder nassem Gelände glatt abreißt. Dazu eine Passform, die breite Füße ausschließt, und du hast einen Spezialisten statt eines echten Allrounders, egal was die Kommunikation von Brooks nahelegt. 7,8/10: ein sehr guter schneller Trailschuh, auf dem richtigen Gelände, für den richtigen Fuß.
FAQ
Wie viel wiegt der Brooks Catamount 4 wirklich?
Brooks gibt 269 g als Herren-Referenz an, ein unabhängiger Test hat 275 g in Größe 42,5 gemessen, also eine Abweichung von 6 g (+2,2 %).
Eignet sich der Catamount 4 für Ultras?
Die Praxisberichte sehen die Komfortgrenze je nach Profil zwischen 50 und 70 km, weit entfernt von Ultradistanzen ab 100 km.
Welche Stollen, welcher Grip?
3,5 mm Tiefe in Pfeilform, mit einer stollenfreien Mittelzone der Sohle: ausreichend auf festem, trockenem Boden, begrenzt im Schlamm.
Was kostet der Brooks Catamount 4?
170 €, also 30 bis 60 € weniger als direkte Konkurrenten mit Platte wie der Hoka Tecton X 3 (230 €) oder der Salomon S/Lab Genesis (200 €).