Bevor Black Diamond das Flick-Lock-System an seinen Faltstöcken bekannt gemacht hat, hatte eine kleine italienische Manufaktur es längst erfunden. Gipron fertigt seine Stöcke noch immer von Hand in der Nähe von Mailand, und das Modell Radiance Carbon 4, auch als #310 Mont-Blanc Carbon 4 verkauft, bringt laut Hersteller 108 Gramm pro Stock auf die Waage. Der Preis hat sich in eine ganz andere Richtung entwickelt.

© Gipron, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Gipron Radiance Carbon 4: ein Stock von der Marke, die den Flick Lock vor Black Diamond erfunden hat
Gipron ist eine italienische Manufaktur aus Vanzago bei Mailand, die seit fast einem Jahrhundert Wander- und Trailstöcke baut. Laut dem von iZiTREK veröffentlichten Praxistest hat Gipron ein Schnellspannsystem für seine Faltstöcke entwickelt, bevor sich der Flick Lock, heute mit Black Diamond verbunden und Branchenstandard, am Markt durchgesetzt hat. Eine Tatsache, die sonst kaum dokumentiert ist, und ausgerechnet der hier getestete Radiance Carbon 4 nutzt dieses System nicht.
Dieser Stock, im offiziellen Shop der Marke als #310 Mont-Blanc Carbon 4 und anderswo unter dem Kollektionsnamen "Radiance" verkauft, richtet sich an Läufer, die das Gewicht in der Hand minimieren wollen, ohne auf die Robustheit europäischer Fertigung zu verzichten. Er folgt auf frühere Generationen, die deutlich schwerer und günstiger waren, ein Vergleich, den man kennen sollte, bevor es an das aktuelle Datenblatt geht.
Technische Daten des Gipron Radiance Carbon 4
| Marke | Gipron |
| Modell | Radiance Carbon 4 (offizielle Referenz #310 Mont-Blanc Carbon 4) |
| Typ | Faltbarer Trailstock, 4 Carbon-Segmente |
| Material | 100 % Carbon |
| Durchmesser | 13,5 mm |
| Herstellerangabe Gewicht pro Stock | 108 g |
| Geschätztes Gewicht pro Paar | ca. 216 g |
| Verfügbare Längen | 105, 110, 115, 120, 125, 130 cm (feste Längen, nicht teleskopierbar) |
| Arretierung | Gespannte Kevlarschnur, kein Flick Lock |
| Teller / Spitze | "Concorde"-Teller, aerodynamische Form nach Vorbild des Überschallflugzeugs |
| Griff | Schaumstoff, feste Nylon-Handschlaufe |
| Fertigung | 100 % Italien |
| Ersatzteile | Ersatzsegment einzeln erhältlich, laut einem unabhängigen Test ca. 40 Euro |
| Listenpreis | 210 Euro pro Paar |
| Festgestellte Verfügbarkeit | Zum Testzeitpunkt im offiziellen Shop in allen Größen ausverkauft |

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Concorde-Teller und Kevlar-Arretierung: zwei bewusste technische Entscheidungen
Der "Concorde"-Teller verdankt seinen Namen einer aerodynamischen Form, die direkt vom gleichnamigen Überschallflugzeug inspiriert ist. Sie soll beim Einstechen den Widerstand verringern, nicht für Stabilität im Tiefschnee sorgen. Im reinen Trail-Einsatz setzt dieses Konzept auf Leichtigkeit und gutes Eindringen in den Boden statt auf einen klassischen breiten Teller.
Die 4 Segmente werden über eine gespannte Kevlarschnur arretiert, ohne das Flick-Lock-System, das die Marke selbst mit auf den Markt gebracht hat. Das spart Gewicht und reduziert bruchanfällige Mechanik, kostet aber Tempo gegenüber einem Klemmhebel: Die Schnur muss mit der Zeit ab und zu nachgespannt werden, um die optimale Spannung zu halten, wie Praxisberichte über mehrere Jahre bestätigen.
Der Praxistest: was Nutzer berichten
Für diesen Test konnten drei unabhängige französischsprachige Quellen abgeglichen werden, ziemlich viel für eine Nischenmarke, über die die allgemeine Fachpresse kaum berichtet.
Der ausführlichste Test, veröffentlicht von iZiTREK, basiert auf mehreren Jahren echter Nutzung durch denselben Tester, darunter Touren in Grönland und in der mauretanischen Wüste seit dem Kauf im Jahr 2018. Über diesen Zeitraum wird nur normaler Verschleiß der Spitzen gemeldet, dazu ein gebrochenes Segment nach einem ungewöhnlichen Sturz bei einer Flussdurchquerung mit untypischer seitlicher Belastung, ein Fall, den der Tester klar von einem Versagen im normalen Einsatz abgrenzt. Der Tester weist außerdem darauf hin, dass ein UTMB-Sieger Gipron-Stöcke benutzt hat, was an der technischen Bewertung des Produkts aber nichts ändert.
Ein älterer Test, 2014 vom Blog My Trail Story veröffentlicht, behandelte eine frühere Generation desselben Modells, damals mit 350 Gramm pro Paar angegeben (also etwa 175 Gramm pro Stock, gegenüber 108 Gramm heute) und für rund 65 Euro verkauft, mit Wolframspitze. Schon dieser Tester lobte eine Schnurarretierung, die gut funktioniert, sobald man den Dreh raushat, und einen Stock, der "sehr gut hält" und "nicht vibriert". Der Vergleich beider Epochen zeigt eine klare Entwicklung: Das Gewicht pro Stock ist um etwa 38 % gesunken, der Listenpreis hat sich im selben Zeitraum aber mehr als verdreifacht.

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Gipron Radiance Carbon 4 vs Leki Ultratrail FX.One Superlite
| Gipron Radiance Carbon 4 | Leki Ultratrail FX.One Superlite |
| Gewicht pro Stock | 108 g | 137 g |
| Geschätztes Gewicht pro Paar | ca. 216 g | ca. 274 g |
| Arretierung | Gespannte Kevlarschnur, ohne Verriegelung | Push-Button (Druckknopf oben) |
| Packmaß | Von der Marke nicht angegeben | 35 cm mit mitgelieferter Hülle |
| Verfügbare Längen | 105 bis 130 cm, feste Längen | 105 bis 130 cm, feste Längen |
| Listenpreis | 210 Euro | ca. 190 Euro |
Auf dem Papier ist der Gipron leichter, aber der Leki bietet ein Push-Button-Faltsystem, das sich im Rennen schneller bedienen lässt, und eine kompakte Aufbewahrungshülle mit 35 Zentimetern, ein handfestes Argument, wenn du deine Stöcke im Wettkampf oft verstaust und wieder herausholst. Am Ende ist es eine Frage der Priorität: der Gipron für jedes gesparte Gramm, der Leki für schnelleres Handling und bessere Verfügbarkeit im Handel.

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Unser Praxisurteil: für wen?
Der Radiance Carbon 4 richtet sich vor allem an Läufer, für die das Gewicht in der Hand absolute Priorität hat und die dafür eine langsamere Arretierung und eine manchmal schwierige Verfügbarkeit in Kauf nehmen. Die reparierbare italienische Fertigung macht ihn außerdem zur richtigen Wahl, wenn du denselben Stock jahrelang nutzen willst, statt ihn zu ersetzen.
Urteil des RunMorph-Coachs
Der Gipron Radiance Carbon 4 hält sein Leichtigkeitsversprechen und setzt auf reparierbare Handarbeit, die auf Dauer Vertrauen schafft. Die Note wird allerdings gedrückt durch ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das sich gegenüber früheren Generationen der Marke klar verschlechtert hat, und durch die unsichere Verfügbarkeit zum Testzeitpunkt, zwei Punkte, die bei der Kaufentscheidung genauso zählen wie die reine Performance.
7,7/10: einer der leichtesten Stöcke seiner Klasse, für alle, die Reparierbarkeit schätzen und den Premiumpreis akzeptieren.

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