In Frankreich kennt die Marke kaum jemand, und trotzdem sponsert sie Jim Walmsley und Katie Schide, zwei der erfolgreichsten Namen im Welt-Trailrunning. Neversecond kommt mit einem ungewöhnlich formulierten Gel auf den Markt und einem klaren Versprechen: erst die Wissenschaft, dann das Marketing.

© Neversecond, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Neversecond: Die Profis kannten die Marke lange vor dem französischen Publikum
Gegründet wurde Neversecond von Bill Armstrong, einem ehemaligen Langstreckenläufer, der zum Unternehmer wurde. Entwickelt hat er die Produktpalette zusammen mit Asker Jeukendrup, einem Sporternährungsforscher, dessen Arbeiten zur Kohlenhydrataufnahme unter Belastung seit zwanzig Jahren als Referenz gelten. Die Marke stellt die Forschung ganz bewusst über das Marketing, und schon der Name bringt es auf den Punkt: Die Wissenschaft kommt vor allem anderen.
Bei den Erfolgen sitzt das Argument. Katie Schide hat die Marke mit ihren Siegen beim Western States 100 und beim UTMB verbunden, Jim Walmsley nutzt sie seit seinem Rekord beim Ultra-Trail Australia, und die Radteams EF Education und Bahrain Victorious bauen ihre Produkte in ihre Rennverpflegung ein. Dieser sportliche Erfolg steht in starkem Kontrast zur kommerziellen Zurückhaltung der Marke in Frankreich, wo sie nur tröpfchenweise über ein paar spezialisierte Händler für Ausdauerernährung vertrieben wird statt über die großen Sportketten.
C-Series-Technologie: ein modulares System statt eines Einzelprodukts
Das C30 ist nur ein Baustein eines größeren Systems. Neversecond baut seine Palette nach einem einfachen Prinzip auf: Jedes Produkt (Gel, Getränk oder Riegel) liefert ein Vielfaches von 30 g Kohlenhydraten. So planst du deine Verpflegung wie mit Bausteinen, statt mit unterschiedlichen Dosierungen verschiedener Marken zu jonglieren. Das Getränk C90, mit 90 g Kohlenhydraten pro Beutel deutlich konzentrierter und für das Carboloading vor dem Rennen gedacht, ergänzt das C30 ohne Überschneidung.
Das Verhältnis 2:1 von Maltodextrin zu Fruktose ist die wissenschaftliche Basis der gesamten Palette. Dieses in der Forschung zur Ausdauerernährung breit dokumentierte Verhältnis nutzt zwei verschiedene Aufnahmewege im Darm parallel. Dadurch bleiben weniger Kohlenhydrate im Magen liegen, und das Risiko für Magen-Darm-Probleme bei hoher Intensität sinkt. Genau diese Logik verfolgen bereits Maurten mit seinem Hydrogel und SiS mit seinem Beta Fuel, doch Neversecond setzt auf eine flüssigere Textur als beide Konkurrenten, fast so dünn wie ein isotonisches Getränk.

© Neversecond, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Der RunMorph-Tipp: Wenn du länger als 90 Minuten läufst, kombiniere das C30 lieber mit einem kohlenhydratfreien Getränk als mit einem weiteren süßen Gel. Die Natriummenge (200 mg) ist bescheiden im Vergleich zu den 300 bis 500 mg, die Produkte für heiße Bedingungen wie das SiS Beta Fuel angeben. Plane bei Hitze oder langen Einheiten also zusätzliche Elektrolyte ein.
Der Praxistest: Was unabhängige Tester berichten
Neversecond ist auf dem französischen Markt noch zu neu, um schon die üblichen Praxistests der Fachseiten gesammelt zu haben. Unsere Recherche hat einen echten Test eines französischen Fachhändlers für Ausdauerernährung (Top Tri) gefunden, der die komplette Palette mehrere Wochen lang bei Läufen unterschiedlicher Intensität genutzt hat. Dazu kommt eine Testaktion mit mehr als fünfzehn amerikanischen Hobbyläufern, die Probierpakete erhalten und ihr jeweiliges Feedback veröffentlicht haben.
Bei der Verträglichkeit sind sich beide Quellen völlig einig: Der französische Tester beschreibt ein C90-Getränk, das sich leicht auflöst und selbst in doppelter Dosis in einer Flasche nicht pappig süß wird, und die fünfzehn amerikanischen Tester berichten einstimmig von gleichmäßiger Energie, ohne Einbruch und ohne Spitze. Mehrere betonen ausdrücklich, dass kein klebriger Film im Mund bleibt, anders als bei dickflüssigeren Gels auf dem Markt.
Beim Geschmack gehen die Meinungen auseinander. Der französische Tester findet die Sorten Zitrone und Waldbeere leicht und wenig süß, gut geeignet für den täglichen Einsatz. Die amerikanischen Tester beschreiben dagegen eher kräftige Aromen mit deutlich spürbarer Salznote: Wer den süß-salzigen Kontrast mag, sieht darin eine Stärke, wer empfindlich auf intensive Geschmäcker reagiert, findet es zu heftig. Dieser Unterschied liegt vermutlich eher am persönlichen Geschmack als an unterschiedlichen Chargen.
Der Schwachpunkt ist die Verpackung. Mehrere amerikanische Tester berichten von echten Problemen beim Aufreißen des Beutels, vor allem mit verschwitzten Händen im Lauf, in einem Fall blieb das Gel während eines Trainingslaufs sogar im Beutel stecken. Der französische Tester erwähnt dieses Problem nicht, was eher auf einen chargenabhängigen Mangel hindeutet als auf einen grundsätzlichen Konstruktionsfehler. Die Klagen kommen aber oft genug, dass du es vor einem wichtigen Rennen selbst testen solltest.
Neversecond C30 vs. Maurten Gel 160: der Vergleich
| Neversecond C30 | Maurten Gel 160 |
| Kohlenhydrate | 30 g | 40 g |
| Textur | Dünnflüssig, fast flüssig | Dickes Hydrogel |
| Natrium | 200 mg | Nicht angegeben (gering) |
| Preis pro Gel | 3,50 Euro | Etwa 3 Euro |
| Einsatzbereich | Alltag, kurze bis mittlere Läufe | Marathon und lange Rennen |
Beide Produkte folgen derselben Hydrogel/Isotonik-Logik, um den Magen zu entlasten, zielen aber auf unterschiedliche Einsätze. Das Maurten packt mehr Kohlenhydrate in ein dichteres Format, damit du beim Marathon weniger oft nachlegen musst. Das Neversecond mit seinen 30 g und der flüssigeren Textur passt eher zum täglichen Training oder zu kurzen Rennen, bei denen die Verträglichkeit wichtiger ist als die maximale Energiedichte.

© Neversecond, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Unsere Einschätzung aus der Praxis: für wen?
Das Neversecond C30 richtet sich in erster Linie an Läufer, die mit klassischen Gels schon Magenprobleme hatten und eine Formel suchen, bei der der Magen oberste Priorität hat. Beim langen Lauf oder in der Halbmarathon-Vorbereitung kannst du es mit einem kohlenhydratfreien Sportgetränk kombinieren und so die Zufuhr steuern, ohne verschiedene Zuckerquellen zu stapeln.
Der passende RunMorph-Plan: Für eine Halbmarathon- oder Marathonvorbereitung, bei der die Verpflegung genauso zählt wie die Kilometer, schau dir die
RunMorph-Trainingspläne an und trainiere deine Kohlenhydratzufuhr bei den langen Läufen des Plans, statt am Renntag ein neues Produkt auszuprobieren.

© Neversecond, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Das Urteil des RunMorph-Coachs
Das Neversecond C30 Energy Gel hält sein Hauptversprechen: top Verträglichkeit, bestätigt von französischen und amerikanischen Quellen, die sich nie abgesprochen haben. Es ist ein ehrliches Gel, gebaut auf einer glaubwürdigen wissenschaftlichen Basis statt auf Marketingsprüchen. Aber für 3,50 Euro pro Stück und mit einer Verpackung, an der mehrere Tester mitten in der Belastung gescheitert sind, ist es keine klare Wahl gegenüber günstigeren französischen Konkurrenten, die längst etabliert sind.
7,3/10: ein sehr gutes Produkt in Sachen Verträglichkeit, ausgebremst durch seinen Preis und ein Konstruktionsdetail, das die Testphase nie hätte überstehen dürfen.