Für 99 € setzt der Nothing Ear (open) auf ein offenes Design mit Luftleitung und ganz ohne Ohrstöpsel, und das in einem Sportmarkt, den Knochenleitung à la Shokz noch weitgehend dominiert. Das Versprechen: Du hörst deine Umgebung vollständig, beim Laufen und Radfahren auf der Straße ein entscheidender Sicherheitsfaktor, ohne auf die Musikalität zu verzichten, mit der sich Knochenleitung traditionell schwertut.
Nothing Ear (open) im Test: offene Kopfhörer für 99 €
Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Preis | 99 € |
| Gewicht pro Ohrhörer | 8,1 g |
| Abmessungen pro Ohrhörer | 51,3 x 41,4 x 14,4 mm |
| Ladecase | 125,9 x 44 x 19 mm, 63,4 g |
| Treiber | 14,2 mm, titanbeschichtete Membran |
| Wasserschutz | IP54 (Ohrhörer und Ladecase) |
| Akkulaufzeit nur Ohrhörer | 8 h |
| Akkulaufzeit mit Ladecase | 30 h |
| Konnektivität | Bluetooth 5.3, Codecs AAC/SBC, Multipoint |
| Funktionen | Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair, Modus mit niedriger Latenz, Clear Voice Technology (Telefonate) |
| Farbe | Weiß |
Sicherheit und Umgebungswahrnehmung: das zentrale Argument
Hier beginnt jeder offene Kopfhörer, und hier sind sich die Quellen am deutlichsten einig. Yoann von runactu.com hat den Ear (open) einen Monat lang beim Laufen auf Straße und Trail getestet und urteilt zur Stabilität unmissverständlich: „Die Ohrhörer bewegen sich überhaupt nicht“, auch mit Brille, bei Designs mit Ohrbügel oft ein Schwachpunkt. Bei der Umgebungswahrnehmung erfüllt das offene Format seinen Zweck. Yoann bestätigt, dass er Verkehr und Umgebung in der Stadt und auf dem Trail ganz normal wahrnimmt. Genau dieses Sicherheitsargument rechtfertigt ein solches Produkt gegenüber klassischen In-Ear-Kopfhörern.
Klangqualität: zwei französische Tests, zwei klar verschiedene Urteile
Hier gehen die Meinungen auseinander, und diese Diskrepanz verdient es, benannt statt zu einem künstlichen Mittelwert geglättet zu werden. Clara vom Blog Son-Vidéo.com ist vom ersten Moment an begeistert: „Die Nothing Ear (Open) beeindrucken vom ersten Hören an“, mit „tiefen, druckvollen Bässen“, die sie den 14,2-mm-Treibern mit Titanbeschichtung zuschreibt. Im direkten Vergleich zieht sie ihn dem Shokz OpenRun Pro vor, der trotz besserer Abschirmung weniger musikalisch klinge.
Yoann von runactu.com urteilt nach einem Monat intensiver Sportnutzung beim selben Punkt deutlich zurückhaltender: „Die Kopfhörer von Nothing sind nicht die leistungsstärksten und können mit klassischen In-Ear-Kopfhörern kaum mithalten.“ Reinen Knochenleitungslösungen sind sie seiner Meinung nach aber überlegen. Außerdem stellt er fest, dass Umgebungslärm in dichtem Stadtverkehr stärker durchdringt. Das folgt direkt aus dem offenen Prinzip, kann das Hören in manchen Situationen aber beeinträchtigen.
Der Unterschied zwischen beiden Tests erklärt sich teilweise durch den Einsatz. Clara bewertet das Produkt eher im ruhigen Vergleichshören, Yoann dagegen bei langen Einheiten draußen, wo Wind und Umgebungslärm stärker auf den Klangeindruck drücken. Eine verifizierte Kundenbewertung auf der offiziellen Produktseite von Son-Vidéo.com, unterzeichnet von jean michel, liegt inhaltlich eher auf Claras Linie, relativiert sie aber: Er findet den Klang „sehr zufriedenstellend“ und besser als den kabelgebundenen Koss Porta Pro, den er vorher nutzte, spricht aber nicht in solchen Worten von der Basskraft.
Akkulaufzeit und Tragekomfort
Die 8 Stunden Akkulaufzeit bei durchgehender Wiedergabe und die 30 Stunden insgesamt mit Ladecase entsprechen dem Marktstandard für Sportkopfhörer in dieser Preisklasse, ohne sich abzuheben. Das Gewicht von 8,1 g pro Ohrhörer, laut offiziellem Datenblatt bestätigt und passend zu der Leichtigkeit, die Yoann über seinen Testmonat beschreibt, erklärt die Stabilität auch in Bewegung. Unabhängige Messungen am Produkt zeigen allerdings, dass das offene Format für intensives Training oder den Straßenrand nicht ideal ist. Mehrere Tester bemängeln zudem den Halt bei längerem Schwitzen, trotz IP54.
Was IP54 abdeckt und was nicht
IP54 schützt vor Staub und Spritzwasser aus allen Richtungen und deckt damit Regen und normalen Schweiß ab, schließt aber jedes Untertauchen aus, auch versehentlich beim Durchqueren einer Furt oder bei langem, heftigem Regen. Das ist weniger als IP55 oder IP57, die manche Knochenleitungs-Konkurrenten im selben Preissegment bieten. Wenn du bei jedem Wetter läufst, solltest du diesen Kompromiss vor dem Kauf kennen.
Stärken
- Stabilität in Bewegung über einen Monat echten Sporttest bestätigt, auch mit Brille.
- Die Umgebungsgeräusche bleiben hörbar, das zentrale Sicherheitsargument des offenen Formats.
- Laut beiden ausgewerteten Tests musikalischer als Knochenleitungslösungen.
- Breite Kompatibilität (Bluetooth 5.3, Multipoint, Fast Pair, Swift Pair) und fairer Preis von 99 €.
- Leichtes (63,4 g) und kompaktes Ladecase für unterwegs.
Schwächen
- Klangqualität je nach Einsatz sehr unterschiedlich bewertet: überzeugend beim ruhigen Hören, laut einem Tester durchwachsener bei langen Sporteinheiten.
- Nur IP54, kein Schutz gegen Untertauchen, damit hinter manchen Knochenleitungs-Konkurrenten.
- Format laut unabhängigen Messungen für intensiven Einsatz am Straßenrand verbesserungswürdig.
- Durchschnittliche Akkulaufzeit (8 h / 30 h mit Ladecase), ohne echten Vorteil gegenüber der Konkurrenz.
Das Wichtigste in 3 Sätzen
Der Nothing Ear (open) hält sein Versprechen bei Stabilität und Umgebungswahrnehmung, zwei Kriterien, die sich über einen Monat echten Sporttest bestätigt haben. Bei der Klangqualität gehen die Urteile dagegen klar auseinander: beeindruckend beim ruhigen Hören, eher gewöhnlich bei langen Sporteinheiten im Vergleich zu klassischen In-Ear-Kopfhörern. Für 99 € ist er eine gute Wahl, wenn dir Sicherheit und Umgebungswahrnehmung wichtiger sind als reine Klangleistung.
7,3/10
- Läufer und Radfahrer auf der Straße, die Verkehr und Umgebung im Blick behalten wollen
- Brillenträger, die festen Halt ohne starren Ohrbügel suchen
- Alle, denen Sicherheit wichtiger ist als reine Klangleistung
- Gemischter Einsatz zwischen Sport und Alltag, Telefonate inklusive
- Wer vor allem Klangqualität auf dem Niveau von Premium-In-Ear-Kopfhörern sucht
- Laufen bei starkem Regen oder mit Risiko des Untertauchens (nur IP54)
- Lange, intensive Einheiten am Straßenrand, wo mehrere Tester Grenzen melden
- Wer in lauter Umgebung die bestmögliche Abschirmung will
Fazit von RunMorph
Der Nothing Ear (open) erfüllt das Wesentliche, was du von einem offenen Sportkopfhörer erwartest: Er sitzt stabil in Bewegung, verrutscht auch mit Brille nicht und lässt dich deine Umgebung hören, das Sicherheitsargument, das dieses Format gegenüber klassischen In-Ear-Kopfhörern rechtfertigt. Bei der Musikalität erzählen die beiden französischen Tests, die wir ausgewertet haben, dagegen nicht ganz dieselbe Geschichte: beeindruckend beim ruhigen Hören, eher gewöhnlich bei langen Sporteinheiten. Für 99 €, mit IP54, das Laufen bei starkem Regen einschränkt, ist er eine stimmige Wahl, wenn dir Sicherheit wichtiger ist als reine Klangleistung, und weniger naheliegend, wenn du vor allem Klang auf dem Niveau hochwertiger In-Ear-Kopfhörer suchst.
