Jahrelang gehörte zum Brustgurt ein lästiges Ritual: Schublade auf, CR2032-Batterie suchen und fluchen, wenn der Sensor mitten in den Intervallen ausfällt. Wahoo macht damit Schluss: Der TRACKR Heart Rate ist der erste komplett wiederaufladbare Brustgurt der Marke und ersetzt im Sortiment die bisherigen TICKR und TICKR X. Unser Urteil nach mehreren Wochen mit Straßenläufen, Trailläufen und Einheiten auf dem Rollentrainer.

© Wahoo, offizielles Foto, zu redaktionellen Zwecken verwendet
Wahoo verabschiedet sich von der Knopfzelle
Lange war der Markt für Brustgurte zweigeteilt: Modelle mit Knopfzelle, nahezu unverwüstlich, aber pflegeaufwendig, und eine Handvoll wiederaufladbarer Versuche, die als weniger zuverlässig galten. Wahoo setzte lange auf die CR2032-Batterie in TICKR und TICKR X, zwei bei Radfahrern beliebten Gurten mit Rekord-Akkulaufzeit (über 500 Stunden) und, beim X, fortgeschrittenen Laufmetriken. Der TRACKR Heart Rate schlägt einen anderen Weg ein. Knopfzelle, interner Speicher und eingebauter Beschleunigungssensor fliegen raus, dafür gibt es einen wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akku und einen dünneren, leichteren EKG-Sensor. Er ist auf Langlebigkeit ausgelegt, und du musst nie wieder in der Schublade nach einer Ersatzbatterie kramen.
Diese Entscheidung hat Folgen. Durch die einfachere Elektronik gewinnt Wahoo an Komfort (39 Gramm gegenüber 60 beim Polar H10 und 52 beim Garmin HRM-Pro Plus), verliert aber Funktionen, die manche Läufer wollen, etwa die eigenständige Aufzeichnung ohne Smartphone. Das Versprechen der Langlebigkeit ist echt: kein Batteriefach mehr, ein komplett versiegelter Sensor. Aber 89,99 Euro für ein Produkt, das auf dem Papier strikt weniger kann als ein Garmin HRM 600, verdienen einen genaueren Blick. Genau den liefert dieser Test Punkt für Punkt.
Technische Daten des TRACKR Heart Rate: der Akku-Brustgurt, der auf Einfachheit setzt
| Merkmal | Wert |
| Marke | Wahoo |
| Modell | TRACKR Heart Rate |
| Typ | Einkanaliger EKG-Brustgurt |
| Gewicht | 39 g (Gurt + Modul) |
| Akku | Wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akku, USB über Magnetkabel |
| Akkulaufzeit | Über 100 Stunden Aktivität |
| Konnektivität | ANT+ und Bluetooth Smart (bis zu 3 gleichzeitige Verbindungen) |
| Messdaten | Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HRV) |
| Interner Speicher | Keiner (Uhr, Handy oder Radcomputer nötig) |
| Wasserschutz | IPX7 (Regen, Schweiß; nicht zum Schwimmen geeignet) |
| Brustumfang | Bis 127 cm (XL-Gurt optional erhältlich) |
| Kompatible Apps | Strava, Peloton, Zwift, Nike Run Club, Adidas Running, Wahoo-Ökosystem |
| Offizieller Preis | 89,99 € |

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Akku statt Batterie: Was ändert sich konkret?
Das TRACKR-Modul lädt über einen proprietären Magnetanschluss, dasselbe System wie bei den Knochenschall-Kopfhörern Shokz OpenRun. Eine volle Ladung reicht für rund 100 Stunden Aktivität, also locker für mehrere Trainingswochen, wenn du 5 bis 6 Mal pro Woche läufst. Eine LED an der Kante des Moduls zeigt den Ladestand: rot blinkend unter 25 %, orange zwischen 25 und 50 %, grün blinkend über 50 %, dauerhaft grün bei voller Ladung.
Der Wechsel zum Akku hat einen funktionalen Preis. Der TRACKR hat weder Beschleunigungssensor noch Zwischenspeicher: Anders als der Garmin HRM 600 oder der alte TICKR X kann er keine Einheit aufzeichnen, ohne mit einer Uhr, einem Radcomputer oder der App gekoppelt zu sein. Er misst weder Kadenz noch Bodenkontaktzeit oder vertikale Oszillation, Metriken, die den High-End-Sensoren von Garmin und Coros vorbehalten sind. Heißt im Klartext: Der TRACKR hat genau einen Job, nämlich Herzfrequenz und HRV zu messen. Den erledigt er mit EKG-Sensor und kompletter Konnektivität (ANT+ und bis zu drei gleichzeitige Bluetooth-Kanäle), genug, um Uhr, Radcomputer und Indoor-Trainings-App gleichzeitig zu koppeln.

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Der Praxistest: vom lockeren Dauerlauf bis zu Intervallen, draußen und drinnen
Wir haben den TRACKR bei allem getragen, vom lockeren Dauerlauf mit 5:30 min/km bis zu kurzen Intervallen mit 3:45 min/km, dazu bei Einheiten auf dem Rollentrainer und einer langen Radausfahrt. Erste Erkenntnis: Der Komfort liegt klar über dem Durchschnitt. Der dünne, weiche Textilgurt hinterlässt kaum Abdrücke, selbst bei Läufen über anderthalb Stunden, und das 39 Gramm leichte Modul vergisst du viel schneller als einen Polar H10 oder einen Garmin HRM-Pro Plus.
Bei der Genauigkeit ist die reine Herzfrequenz hervorragend. Bei schnellen Tempowechseln (Fahrtspiel, kurze Bergsprints) lag die Abweichung gegenüber einem Referenzgurt unter 2 bis 3 Schlägen pro Minute, im Alltag nicht spürbar. Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist dagegen weniger sauber: Vereinzelte Artefakte treten häufiger auf als bei High-End-Sensoren. Das stellt die tägliche Nutzung nicht infrage, begrenzt aber die Feinheit anspruchsvoller Erholungsanalysen.
Der RunMorph-Tipp: Der TRACKR ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu einer Uhr ohne zuverlässige optische Pulsmessung am Handgelenk, wie bei vielen Outdoor-Uhren bei Kälte. Wenn du deine Trainingsbelastung über detaillierte HRV-Analysen in Ruhe steuern willst, bleibt der Polar H10 die präzisere Referenz.

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Wahoo TRACKR vs. Polar H10: der Vergleich für die richtige Wahl
Diese Frage stellen sich Läufer immer wieder, wenn sie zwischen den beiden ähnlich teuren Gurten schwanken. Der Polar H10 bleibt die absolute Referenz bei der HRV-Genauigkeit, bestätigt durch unabhängige wissenschaftliche Studien, und seine Knopfzelle hält über 400 Stunden. Der TRACKR setzt auf Komfort und darauf, dass du nie wieder eine Batterie kaufen musst, dafür mit bescheidenerer Elektronik an Bord.
| Kriterium | Wahoo TRACKR Heart Rate | Polar H10 |
| Gewicht | 39 g | 60 g |
| Energie | Akku, 100 h+ | Knopfzelle, 400 h |
| Herzfrequenz-Genauigkeit | Hervorragend | Hervorragend (Referenz) |
| HRV-Genauigkeit | Gut, einige Artefakte | Wissenschaftliche Referenz |
| Interner Speicher | Nein | Ja (eigenständiger Trainingsmodus) |
| Schwimmen | Nicht empfohlen (IPX7) | Ja (wasserdicht bis 30 m) |
| Offizieller Preis | 89,99 € | Um die 90 € |
Das Urteil hängt vor allem vom Einsatz ab. Für Läufer oder Radfahrer, die nicht schwimmen und im Alltag den unauffälligsten Gurt wollen, gewinnt der TRACKR beim Komfort. Für Triathleten oder alle, die jeden Morgen ihre Ruhe-HRV genau auswerten wollen, behält der Polar H10 den technischen Vorsprung. Der Garmin HRM 600 liegt mit internem Speicher und dem kompletten Garmin-Connect-Ökosystem dazwischen.
Vor- und Nachteile des Wahoo TRACKR Heart Rate
Vorteile
Wiederaufladbarer Gurt, keine Knopfzellen mehr nachkaufen. Mit 39 Gramm der leichteste und bequemste am Markt. Hervorragende Pulsgenauigkeit bei allen Belastungsarten. Drei gleichzeitige Bluetooth-Verbindungen plus ANT+, sehr vielseitig. Kompatibel mit nahezu allen Trainings-Apps.
Nachteile
Kein interner Speicher: ohne gekoppeltes Gerät keine Aufzeichnung möglich. Keine fortgeschrittenen Laufmetriken (Kadenz, vertikale Oszillation). Wasserschutz nach IPX7 reicht nicht zum Schwimmen. HRV weniger sauber als beim Referenzmodell Polar H10. Preis auf dem Niveau der besten Gurte am Markt bei weniger Funktionen auf dem Papier.

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Unsere Einschätzung aus der Praxis: für wen und für welches RunMorph-Training?
Der TRACKR Heart Rate richtet sich vor allem an vielseitige Läufer und Radfahrer, die ihre Herzfrequenzzonen in einem strukturierten Plan verlässlich machen wollen, ohne sich am Morgen einer Schlüsseleinheit je um eine leere Batterie zu sorgen. Er passt perfekt zur Steuerung der Trainingsbelastung über Herzfrequenzzonen, egal ob in der Marathonvorbereitung, in einem Halbmarathon-Plan oder in einem gezielten Intervallblock.
Ob du dich auf einen Marathon oder Halbmarathon vorbereitest oder einfach deine Herzfrequenzzonen im Training verlässlich machen willst: Die
RunMorph-Trainingspläne nutzen genau diese Herzfrequenzdaten, um die Intensität jeder Einheit festzulegen.
Das Urteil des RunMorph-Coachs
Der Wahoo TRACKR Heart Rate hält, was er verspricht: ein bequemer, genauer Brustgurt, der sich endgültig von der Knopfzelle verabschiedet. Mit High-End-Sensoren will er bei fortgeschrittenen Metriken gar nicht konkurrieren, und genau diese bewusste Entscheidung macht ihn interessant, wenn du ein einfaches, langlebiges Werkzeug suchst. Der Preis bleibt der strittigste Punkt: Mit 89,99 Euro kostet er so viel wie ein Polar H10, kann auf dem Papier aber strikt weniger.
RunMorph-Urteil: 8/10. Eine sehr gute Wahl, um die Pulsgenauigkeit deiner Uhr oder deines Radcomputers im Alltag aufzuwerten, solange du die Grenzen akzeptierst (kein Schwimmen, keine eigenständige Aufzeichnung).