Am 25. April 2026 als limitierte Edition für den London-Marathon vorgestellt, ist der Adidas Adizero Adios Pro Evo 3 der erste offiziell zugelassene Wettkampfschuh unter 100 Gramm. Mit genau diesem Paar hat Sabastian Sawe den Marathon-Weltrekord gebrochen und ist 1:59:30 gelaufen. Für 500 €, extrem selten und auf maximal 2 Stunden Belastung ausgelegt, wirft er dieselbe Frage auf wie sein Vorgänger: Für wen ist er wirklich gemacht?
Adidas Adios Pro Evo 3 im Test: Rekordschuh, aber für wen?
Adidas Adizero Adios Pro Evo 3: der Schuh, der weniger wiegt als ein Apfel
97 Gramm in UK 8,5 (Gr. 42,5 EU). Das ist ein Drittel eines Daily Trainers wie des Brooks Ghost 18 und die Hälfte eines Nike Vaporfly 4. Um diesen Wert zu erreichen, hat Adidas alles weggelassen, was ging: Das Obermaterial ist auf ein ultraleichtes Monofilament-Gewebe reduziert, die Ösen sind durch einfache Schlitze ersetzt, und vor allem weicht das EnergyRods-Carbonsystem des Pro 1 und der bisherigen Pro Evo einer neuen Architektur: dem ENERGYRIM.
Der ENERGYRIM ist ein Carbonrahmen, der am äußeren Rand des Schaums entlangläuft, statt eines Systems aus innenliegenden Stäben. Ergebnis: weniger Teile, weniger Gewicht, aber erhaltene Steifigkeit in Laufrichtung. Kombiniert mit dem Lightstrike-Pro-Evo-Schaum (der leichtesten Version der Reihe) liefert das Ganze einen brutalen Vortrieb, gemacht für Elite-Marathontempo (sub 2:30) und für nichts anderes.
Der RunMorph-Tipp: Für 500 € und mit einer geschätzten Lebensdauer von 2 oder 3 Marathons ist der Adios Pro Evo 3 kein Trainingsschuh. Er ist ein Geschoss für den Race Day, und nur für Läufer, die schnell genug sind, damit er sich lohnt. Läufst du den Marathon in mehr als 3:30 Stunden, hilft dir ein halb so teurer Brooks Hyperion Elite 5 genauso viel.

© Adidas, offizielles Foto für redaktionelle Zwecke verwendet
Objektive technische Daten
| Marke | Adidas |
| Modell | Adizero Adios Pro Evo 3 |
| Offizieller Marktstart | 25. April 2026 (limitierte London-Edition), breiter Marktstart Herbst 2026 |
| Typ | Elite-Wettkampfschuh Marathon, ultraleicht |
| Sprengung | 3 mm |
| Stack Height Ferse / Vorfuß | 39 mm / 36 mm |
| Gewicht (UK 8,5 / Gr. 42,5 EU) | 97 g |
| Schaum | Lightstrike Pro Evo (optimiertes PEBA) |
| Versteifungssystem | ENERGYRIM (umlaufender Carbonrahmen) |
| Obermaterial | Ultraleichtes Monofilament, ohne klassische Ösen |
| World-Athletics-konform | Ja (Stack Height 39 mm, unter dem Limit von 40 mm) |
| Empfohlene Distanz | Halbmarathon, Marathon |
| Geschätzte Lebensdauer | 2 bis 3 Marathons (200 bis 300 km) |
| UVP | 500 € |
Einige Punkte verdienen Aufmerksamkeit. Erstens: Anders als der Hyperboost Edge, der das 40-mm-Limit überschreitet, bleibt der Adios Pro Evo 3 mit 39 mm Stack Height an der Ferse unter dem Limit von World Athletics. Er ist also für Rekorde und offizielle Wettkämpfe zugelassen.
Zweitens: 97 g bei 39 mm PEBA-Schaum sind eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Zum Vergleich: Der Hoka Cielo X1 3.0 wiegt 213 g, der Brooks Hyperion Elite 5 196 g. Adidas hat alles Überflüssige gestrichen.
Drittens, und das ist die Kehrseite der Medaille: Die Haltbarkeit wird geopfert. Rechne mit maximal 2 bis 3 Marathons, bevor der Schaum zusammenbricht und das Obermaterial reißt. Bei 500 € liegen die Kosten pro Kilometer über 1,50 €.
Für wen ist der Adios Pro Evo 3 gemacht?
Elite- oder Semi-Elite-Läufer (Marathon unter 2:45)
Peilst du im Marathon eine Zeit unter 2:45 Stunden an, ist dein Laufstil effizient, dein Bodenkontakt kurz, und du weißt, wie du die Steifigkeit einer Carbonplatte in Vortrieb umsetzt. Der Pro Evo 3 ist für dich: Er bringt dir ein paar Prozent Laufökonomie, und das macht am Ende Sekunden oder sogar Minuten aus. Sawe ist damit 1:59:30 gelaufen. Bei dir kann er den Unterschied zwischen 2:38 und 2:35 ausmachen.
Erfahrene Läufer mit einem großen Ziel
Du bereitest einen Marathon von Rang vor (Paris, New York, Berlin, Boston) und willst ein einziges Paar nur für den Race Day. Du kannst es dir leisten, 500 € für genau diesen Moment auszugeben. Du absolvierst 2 oder 3 Einheiten im Marathontempo darin und trägst ihn dann am Race Day. Er bleibt ein reiner Wettkampfschuh, kein Trainer.
Sammler und Laufbegeisterte
Du liebst das Objekt, die Innovation, die reine Performance, und du akzeptierst, dass dieses Paar vor allem ein Statement ist. Völlig legitim: Der Pro Evo 3 ist ein bemerkenswertes Stück Ingenieurskunst. Aber schätze deinen tatsächlichen Einsatz realistisch ein.

© Adidas, offizielles Foto für redaktionelle Zwecke verwendet
Komfort und Passform
Das Obermaterial besteht aus einem einzigen Stück transparentem Monofilament-Mesh, fast unwirklich anzusehen. Kein Futter, keine Polsterung, nur ein Schleier, dem die drei Adidas-Streifen Struktur geben und die hier eine zu 100 % statische Funktion haben. Schlitze für die Schnürsenkel ersetzen die klassischen Ösen. Das spart ein paar Gramm, verlangt aber eine sorgfältige Schnürung, damit sich die Spannung gut verteilt.
Die Fersenkappe ist minimalistisch, gerade genug, um den Fuß ohne Verrutschen zu halten. Das Gefühl beim Reinschlüpfen ist seltsam: Du hast den Eindruck, der Schuh existiert gar nicht. Für Läufer, die Super Shoes gewohnt sind (Vaporfly, Hyperion Elite), ist das ein weiterer Schritt in dieselbe Richtung. Für Einsteiger kann es irritierend sein.
Laufverhalten
Im Elite-Marathontempo (3:00 min/km und schneller) entfaltet der Pro Evo 3 seinen ganzen Sinn. Der Lightstrike-Pro-Evo-Schaum verhält sich wie ein Trampolin, das sich sofort zurücksetzt, und der ENERGYRIM bringt den Fuß bei jedem Schritt nach vorn. Du spürst, wie jeder Abdruck mühelos beschleunigt wird, als würdest du leicht bergab laufen.
Im Halbmarathon- oder Tempolauf-Tempo (3:30 bis 4:00 min/km) bleibt der Schuh sehr reaktiv, aber du merkst allmählich, dass er nicht für diese zügigen, aber nicht extremen Tempi gemacht ist: etwas zu instabil bei längerem Bodenkontakt, etwas hart an der Ferse.
Im Amateur-Marathontempo (4:30 und langsamer) verfliegt die Magie. Die ENERGYRIM-Platte wird nicht mehr richtig geladen, der Schaum wird nicht genug komprimiert, um Energie zurückzugeben. Du spürst vor allem die Schwächen: wenig Schutz, wenig Stabilität und einen Vorfuß, der auf dem freiliegenden Schaum reibt.
Sohle und Grip
Um Gewicht zu sparen, hat Adidas den Gummi der Außensohle fast vollständig gestrichen. Nur zwei kleine Verschleißzonen sind geschützt (minimalistische Ferse außen und Vorfuß innen). Der Rest ist freiliegender Lightstrike-Pro-Evo-Schaum. Die Folgen: exzellenter Grip bei Trockenheit, mittelmäßig bei Nässe und eine katastrophale Haltbarkeit.
Konkret: Nach einem Marathon im Regen auf nassem Kopfsteinpflaster wundere dich nicht, wenn der Schaum im Vorfußbereich angegriffen ist. Das ist gewollt: Adidas hat sich für reine Performance und gegen Langlebigkeit entschieden.

© Adidas, offizielles Foto für redaktionelle Zwecke verwendet
Vergleich mit der Konkurrenz
Der Adios Pro Evo 3 spielt in derselben Liga wie die Super Shoes für die absolute Elite. So ordnet er sich ein:
Nike Vaporfly 4 (280 €, 196 g, 8 mm Sprengung, Stack 40/32): der direkte Konkurrent, halb so teuer und deutlich haltbarer. Der Vaporfly 4 bleibt für 95 % der Läufer mit Zeitziel die Referenz im Segment. Der Pro Evo 3 ist für Läufer unter 2:30 minimal schneller, minimal weniger schützend und viel teurer.
Brooks Hyperion Elite 5 (275 €, 196 g, 3 mm Sprengung, Stack 39/36): Carbon-Super-Shoe mit DNA Gold PEBA. Vielseitiger, haltbarer, erschwinglicher (250 €), richtet er sich an denselben leistungsorientierten Läufertyp, lässt sich aber auch wirklich im Training einsetzen.
Asics Metaspeed Sky Tokyo (250 €, 200 g, 5 mm Sprengung, Stack 39,5/34,5): für Läufer vom Typ Stride (langer Schritt). Stabiler, weniger extrem, haltbarer. Schwankst du zwischen beiden, ist der Metaspeed Sky wahrscheinlich die bessere Wahl, es sei denn, du läufst schon unter 2:30.
Hoka Cielo X1 3.0 (275 €, 213 g, 7 mm Sprengung, Stack 40/33): Super Shoe von Hoka mit zweilagigem PEBA und geflügelter, gewölbter Carbonplatte. Schützender, vielseitiger und erschwinglicher als der Pro Evo 3.
Fazit des Vergleichs: Der Pro Evo 3 ist der leichteste Schuh auf dem Markt, wird aber erst ab Elite-Niveau relevant. Für Amateurläufer mit Zielen zwischen 3 und 4 Stunden im Marathon bieten Vaporfly 4, Hyperion Elite 5 oder Metaspeed Sky Tokyo ein viel besseres Verhältnis aus Leistung, Preis und Haltbarkeit.
So baust du den Pro Evo 3 in deinen RunMorph-Trainingsplan ein
Als Coach würde ich diesen Schuh so in die Rotation eines Marathonläufers unter 2:45 einbauen:
Lockere Dauerläufe und Grundlagenausdauer: nein. Du nutzt den Schuh umsonst ab und hast keinerlei Vorteil. Nimm für diese Einheiten einen Asics Gel-Nimbus 28 oder einen Brooks Ghost 18.
Long Run (90 Minuten oder mehr): nein, außer 1 Testeinheit 2 oder 3 Wochen vor dem Wettkampf, um Passform und Zieltempo zu überprüfen.
Marathonspezifische Tempoblöcke: ja, maximal 2 bis 3 Einheiten im Vorbereitungszyklus, um dich an das Gefühl zu gewöhnen und dein Zieltempo zu kalibrieren.
Tempo und Schwelle: nein. Zu empfindlich, und mit einem Asics Superblast 3 oder einem Hoka Mach 7 holst du mehr heraus.
Wettkampf: ja, genau dafür existiert er. Marathonziel unter 2:45, Halbmarathonziel unter 1:15. Ein Paar nur für den Race Day.
Um deine Vorbereitung rund um ein ehrgeiziges Zeitziel zu strukturieren, wirf einen Blick auf die RunMorph-Trainingspläne: Periodisierung und eine Schuhrotation passend zu deinem Niveau sind dort eingebaut.

© Adidas, offizielles Foto für redaktionelle Zwecke verwendet
Fazit des RunMorph-Coachs
Der Adidas Adizero Adios Pro Evo 3 ist ein außergewöhnlicher Schuh für eine außergewöhnliche Zielgruppe. Mit seinen 97 g, dem Lightstrike-Pro-Evo-Schaum und dem ENERGYRIM ist er wahrscheinlich der technisch fortschrittlichste Wettkampfschuh, der 2026 erhältlich ist. Er hat Sabastian Sawe zum Marathon-Weltrekord in 1:59:30 getragen, und das sagt viel über sein Potenzial.
Aber für 500 €, mit einer Lebensdauer von 2 bis 3 Marathons und einem Laufverhalten, das nur im Elitetempo Sinn ergibt, richtet er sich an einen winzigen Bruchteil der Läufer. Für 99 % der Amateur-Marathonläufer sind der Vaporfly 4 oder der Hyperion Elite 5 die viel vernünftigere Wahl.
RunMorph-Note: 9/10 für Läufer unter 2:45, 5/10 für alle anderen. Zum ersten Mal vergeben wir je nach Zielprofil unterschiedliche Noten, aber die Spezialisierung ist hier so extrem, dass Ehrlichkeit es verlangt.
Das Wichtigste für dein Training
- Nur 97 Gramm: der erste Super Shoe unter 100 g überhaupt, ein absoluter Leichtigkeitsrekord bei 39 mm Stack Height.
- ENERGYRIM ersetzt die EnergyRods: ein umlaufender Carbonrahmen statt innenliegender Stäbe, leichter und genauso steif.
- Der Elite vorbehalten: Seine Energierückgabe entfaltet sich erst bei Tempi unter 3:00 min/km voll.
- Begrenzte Lebensdauer: maximal 2 bis 3 Marathons, also 200 bis 300 km, wegen des freiliegenden Schaums und des minimalistischen Obermaterials.
- 500 € pro Paar: eine Investition für ein großes Zeitziel, nicht für das regelmäßige Training.
