COROS Vertix 2S im Test: 140 h Akku, Titan und Saphirglas
8,5/10
Während Garmin, Suunto und Polar sich auf AMOLED gestürzt haben, trifft COROS mit der Vertix 2S eine fast schon ketzerische Entscheidung: ein transflektives Display behalten, das in praller Sonne ablesbar bleibt, und auf das setzen, was wirklich zählt, wenn du weit und lange unterwegs bist: die Akkulaufzeit. Das Ergebnis: Das Flaggschiff der Marke verspricht bis zu 140 Stunden GPS-Aufzeichnung. Wir bei RunMorph haben sie für Ultraläufer und Abenteurer genau unter die Lupe genommen.
Die COROS Vertix 2S ist die ausdauerndste Expeditionsuhr der Marke, gebaut für Ultratrail, Bergsteigen und mehrtägige Touren. Sie kombiniert Titangehäuse und Saphirglas mit präzisem Dual-Frequenz-GPS und kostenlosen weltweiten Offline-Karten. Ihr transflektives MIP-Display hat nicht den Glanz eines AMOLED, doch genau dieser Kompromiss beschert ihr eine außergewöhnliche Akkulaufzeit.
8,5 / 10 · RunMorph Gesamtnote
GPS-Genauigkeit9/10
Akkulaufzeit9,8/10
Kartografie8/10
Trainingsdaten8/10
Preis-Leistung7,5/10
Für wen? Ultratrailläufer, Bergsteiger und Abenteurer, die auf einer mehrtägigen Tour nie ans Aufladen denken wollen.
Für wen nicht? Straßenläufer, die ein schönes AMOLED-Display, kontaktloses Bezahlen und eine leichte Uhr für den Alltag wollen.
COROS Vertix 2S: die bewusste Wette auf transflektiv gegen die AMOLED-Welle
Die im Frühjahr 2024 erschienene Vertix 2S ist ein dezentes Update der Vertix 2 von 2021. COROS ändert das Gehäuseformat nicht, verbaut aber einen neuen optischen Pulssensor (den aus der Apex 2 und der Apex 2 Pro), überarbeitet die GNSS-Antenne für mehr Genauigkeit und bietet drei metallische, von der Raumfahrt inspirierte Farben: Space (Carbonschwarz), Earth (Blau) und Moon (Silber). Auf dem Papier eine kleine Weiterentwicklung. In der Strategie der Marke ein Manifest.
Denn 2026 sind fast alle Premium-Konkurrentinnen auf AMOLED umgestiegen: heller, kontrastreicher, verkaufsstärker. COROS bleibt bei einem transflektiven MIP-Display, das sich vom Umgebungslicht nährt, statt dagegen anzukämpfen. Das Marketing-Urteil fällt hart aus: Im Laden wirkt das Display matt. Das Urteil im Gelände sieht ganz anders aus. Unter der Höhensonne bleibt MIP ohne Hintergrundbeleuchtung perfekt ablesbar, und vor allem frisst es den Akku nicht leer. Genau diese Entscheidung erlaubt der Vertix 2S Laufzeiten, an die keine AMOLED-Uhr auch nur herankommt. Bei RunMorph halten wir diese Positionierung für stimmig: Die Vertix ist keine Alltagsuhr, sondern ein Überlebens- und Leistungswerkzeug für alle, deren Spielfeld sich in Tagen und Tausenden Höhenmetern bemisst.
Der Tipp von RunMorph: Wenn du zwischen der Vertix 2S und einer AMOLED-Uhr der Marke schwankst, stell dir nur eine Frage: Wie lange dauert deine längste Tour ohne Aufladen? Unter 30 Stunden GPS reichen die COROS APEX 4 oder die COROS Pace Pro locker aus und bieten das schönere Display. Darüber hinaus, bei einem 100-Meilen-Ultra oder einer mehrtägigen Tour, spielt die Vertix 2S ihre Stärken voll aus.
Technische Daten der COROS Vertix 2S: Robustheit vor Glanz
Marke
COROS
Modell
Vertix 2S (getestete Farbe: Space)
Erscheinungsdatum
April 2024
Gehäuse
50,3 mm, Titan und Polymer, Lünette aus PVD-Titan
Glas
Saphir
Gewicht
70 g (Gehäuse), geliefert mit Nylon- und Silikonarmband 26 mm Quick Fit
Dicke
16 mm
Display
Transflektives MIP-Touchdisplay 1,4" (35,6 mm), 280 x 280 px, Always-On
GPS-Genauigkeit: Was taugen die Tracks der Vertix 2S?
Das ist Kriterium Nummer eins bei einer Ultra-Uhr, und die Vertix 2S erfüllt es. Das Dual-Frequenz-GPS (L1+L5) empfängt zwei Satellitensignale gleichzeitig und kann so Signalreflexionen in engen Schluchten, unter dichtem Blätterdach oder entlang von Felswänden korrigieren. Die neue, in die Titanlünette integrierte Antenne verfeinert die Messung gegenüber der Vertix 2 noch weiter. Im Gelände kleben die Tracks am Pfad, selbst auf tief eingeschnittenen Singletrails, wo viele Uhren grobe Treppenstufen zeichnen.
Der optische Pulssensor, übernommen von der Apex 2, gehört zu den besten von COROS. Er bleibt zuverlässig bei gleichmäßigem Tempo im Grundlagenbereich, in dem du den Großteil eines Ultras verbringst. Wie jede Pulsmessung am Handgelenk schwächelt er bei abrupten Belastungswechseln und extremer Kälte: Für Schwellentraining oder Intervalle koppelst du am besten per Bluetooth einen Brustgurt wie den Garmin HRM 600 oder den COROS HR Monitor. Beim Klettern lässt sich die Vertix 2S auch abseits des Handgelenks tragen, eingeklinkt in den mitgelieferten Karabiner: Dann ist ein externer Pulsgurt unverzichtbar.
Karten und Navigation: alles kostenlos, wirklich
Wo Garmin für seine Premium-Kartengrundlagen teilweise Geld verlangt, liefert COROS weltweite Offline-Karten ganz ohne Abo: topografische, Landschafts- und Hybridkarten, regionsweise per integriertem WLAN herunterladbar. Die Navigation bietet GPX-Trackführung, Turn-by-Turn-Hinweise, Zurück zum Start, Höhenprofil, Checkpoints und eine Warnung bei Kursabweichung. Mit der Funktion Navigation Mirroring kannst du sogar eine komplexe Route gespiegelt zwischen Smartphone und Uhr verfolgen.
Das MIP-Display mit 280 x 280 px hat nicht die Schärfe eines hochauflösenden AMOLED, und die Karte wirkt weniger edel als auf einer Suunto Vertical 2 oder einer Garmin Forerunner 970. Sie bleibt aber absolut brauchbar, damit du dich nicht verläufst, und die digitale Krone macht Zoomen und Scrollen sehr intuitiv, selbst mit dicken Handschuhen. Für reine Navigation auf Expedition reicht das locker.
Akkulaufzeit in der Praxis: das schlagende Argument
Hier lässt die Vertix 2S alles hinter sich. COROS gibt 36 Tage im Smartwatch-Modus an, 118 Stunden GPS im Standardmodus, 73 Stunden mit Multi-GNSS, 43 Stunden mit Dual-Frequenz und bis zu 140 Stunden im UltraMax-Modus. Konkret heißt das: Ein Läufer kann einen 100-Meilen-Lauf im genauesten GPS-Modus beenden, ohne dass der Akku je zum Thema wird, und ein Bergsteiger kann eine Woche völlig autark unterwegs sein. Selbst mit Musik liegt die GPS-Laufzeit noch bei rund 30 Stunden, mehr als die meisten Konkurrenzuhren im einfachen Betrieb schaffen.
Die Kehrseite ist das Ladegerät: COROS bleibt bei einem proprietären Anschluss und einem USB-A-Kabel, während fast die gesamte Konkurrenz auf USB-C umgestiegen ist. Auf einer mehrtägigen Tour solltest du also das richtige Kabel einpacken. Aber machen wir uns nichts vor: Bei dieser Reserve lädst du im Rennen selten nach.
Trainings- und Erholungsdaten: die komplette EvoLab-Suite
Die Vertix 2S bringt die gesamte COROS-EvoLab-Suite mit: Training Load, Base Fitness über 42 Tage, Training Status, Recovery Timer, Race Predictor, VO2max-Schätzung, Laufleistung am Handgelenk sowie Alltagstracking (Schlaf, nächtliche Herzfrequenzvariabilität, Wellness Check). Das Ökosystem ist kostenlos, die COROS-App übersichtlich, und die Marke spielt regelmäßig Updates auf, die die Uhren nach dem Kauf erweitern. Eine echte Stärke: Die Vertix 2 von 2021 bekommt bis heute neue Funktionen, ein gutes Zeichen für die Langlebigkeit der 2S.
Bei der Erholung bleibt sie trotzdem eine Stufe unter der physiologischen Analysetiefe einer Polar Grit X2 Pro, beim Softwareumfang unter einer Garmin. Für die Trainingsplanung rund um Trail und Ultra trifft EvoLab dagegen voll ins Schwarze.
Für wen ist die COROS Vertix 2S gemacht?
Ultratrail- und Langstreckenläufer
Das ist ihre natürliche Zielgruppe. Wenn du dich auf 100 km, 100 Meilen oder ein Etappenrennen vorbereitest, liefern Akkulaufzeit, Dual-Frequenz-Genauigkeit und kostenlose Karten genau das, was du brauchst. Du aktivierst den genauesten GPS-Modus und vergisst den Akku. Die richtige Wahl für alle, denen Zuverlässigkeit wichtiger ist als Optik.
Bergsteiger und Abenteurer
Titangehäuse, Saphirglas, wasserdicht bis 100 m, Einsatzbereich von -30 bis +50 °C, Pulsoximeter zur Kontrolle der Höhenanpassung, Off-Wrist-Modus am Karabiner: Die Vertix 2S ist für Hochgebirge und lebensfeindliche Umgebungen gebaut. Viele Himalaya-Expeditionen vertrauen ihr, und das ist kein Zufall.
Vielseitige Läufer, die alles mit einer Uhr erledigen wollen
Mit Profilen für Triathlon, Schwimmen, Radfahren (kompatibel mit Leistungsmessern), Klettern, Ski und mehr kann die Vertix 2S als einzige Multisportuhr dienen. Vorausgesetzt, du akzeptierst ihre 50,3 mm, die an schmalen Handgelenken und im Alltag wuchtig bleiben.
COROS Vertix 2S vs. Suunto Vertical 2 vs. COROS APEX 4: der Vergleich
Drei Expeditionsuhren, drei Philosophien. So schlägt sich die Vertix 2S gegen ihre direktesten Rivalinnen aus unseren veröffentlichten Tests.
Kriterium
COROS Vertix 2S
Suunto Vertical 2
COROS APEX 4
Display
Transflektives MIP 1,4"
AMOLED 2000 Nits
AMOLED
Akkulaufzeit GPS Multiband
43 h (140 h UltraMax)
65 h
65 h
Offline-Karten
Weltweit kostenlos
Weltweit kostenlos + Taschenlampe
Ja
Gehäuse
Titan 50,3 mm, Saphir
Titan, Saphir
Titan, Saphir
Stärke Nr. 1
Rekord-Akkulaufzeit im UltraMax-Modus
AMOLED-Display + LED-Taschenlampe
Vielseitigkeit und AMOLED-Display
Preis
699 €
~629 €
~499 €
Die Suunto Vertical 2 überzeugt alle, die ein helles AMOLED-Display und eine integrierte Taschenlampe für die Nacht wollen. Die COROS APEX 4, neuer und günstiger, bietet AMOLED und hervorragende Vielseitigkeit für alle, die die extreme Laufzeit der Vertix nicht brauchen. Gegen beide behält die Vertix 2S ein Argument, das ihr niemand nimmt: ihre Energiereserve im UltraMax-Modus. Für die längsten Ultras und mehrtägige Touren bleibt sie die Referenz. Einen Blick wert ist auch die Amazfit Cheetah 2 Ultra, die die Akkulaufzeit für weniger Geld auf 80 Stunden treibt, allerdings mit einem weniger ausgereiften Software-Ökosystem.
Vorteile und Nachteile
Das hat uns gefallen
Außergewöhnliche Akkulaufzeit, bis zu 140 h im UltraMax-Modus
Sehr präzises Dual-Frequenz-GPS in schwierigem Gelände
Komplett kostenlose weltweite Offline-Karten
Verarbeitung aus Titan und Saphir, gemacht für Extremeinsätze
Intuitive digitale Krone, selbst mit Handschuhen
EvoLab-Ökosystem und regelmäßige Software-Updates
Das hat uns weniger gefallen
Transflektives MIP-Display weniger schmeichelhaft als ein AMOLED
Mit 50,3 mm im Alltag wuchtig
Proprietäres Ladegerät und veraltetes USB-A-Kabel
Kein kontaktloses Bezahlen
Kleiner Entwicklungsschritt für Besitzer der Vertix 2
So baust du sie in deinen RunMorph-Trainingsplan ein
Die Vertix 2S ist das perfekte Werkzeug für die Vorbereitung auf ein langes Ziel: Ihre EvoLab-Daten strukturieren deine Belastung, und dank ihrer Akkulaufzeit zeichnest du alle Long Runs und dein komplettes Rennen ohne Kompromisse auf. Um diese Daten in Fortschritt zu verwandeln, kombiniere sie mit einem RunMorph-Plan für Trail oder Ultra und lass dich Einheit für Einheit zu deinen 80 km oder deinen 100 Meilen führen.
Die COROS Vertix 2S ist nicht die spektakulärste Uhr des Jahres 2026, und das will sie auch nicht sein. Sie steht zu ihrem transflektiven Display und ihrem massiven Gehäuse, um zu liefern, was kein AMOLED durchhält: eine Akkulaufzeit, die sich in Tagen bemisst, chirurgisch genaues GPS und kostenlose weltweite Karten, alles in einem unverwüstlichen Titangehäuse. Für Straßenläufer oder Gelegenheitsnutzer ist sie überdimensioniert und etwas spröde. Für Ultratrailläufer und Abenteurer ist sie eine verlässliche Begleiterin, die dich im Rennen nie im Stich lässt. Mit 699 € zahlst du einen hohen Preis gegenüber neueren und teils günstigeren AMOLED-Uhren, doch ihre Ausdauer bleibt konkurrenzlos.
RunMorph-Note: 8,5/10
Das Wichtigste für dein Training
Akku-Königin: bis zu 140 h im UltraMax-Modus, genaues GPS über einen kompletten 100-Meilen-Lauf ohne Akkustress.
Präzision zuerst: Dual-Frequenz L1+L5 bleibt selbst in Schluchten und dichtem Wald am Pfad.
Kostenlose Navigation: weltweite Offline-Karten ohne Abo, ideal für autarke Touren.
Expeditionstauglich: Titan, Saphir, wasserdicht bis 100 m und -30 bis +50 °C für lebensfeindliches Gelände.
Brustgurt koppeln: Für Intervalle und Schwellentraining ergänzt du einen Bluetooth-Brustgurt für verlässliche Pulswerte.