Garmin Forerunner 570 im Test: Multiband-AMOLED ohne Karten
7,5/10
✓Helles, scharfes 1,4-Zoll-AMOLED-Display, ein echter optischer Sprung
✓Sehr zuverlässiges Multiband-GPS mit Dualfrequenz, auch in schwierigem Gelände
✓Solider Sensor Elevate Gen 5 bei Ausdauereinheiten
✗Keinerlei Karten, ein Nachteil, sobald du die Straße verlässt
Vor zwei Jahren hieß eine Garmin zum Laufen: Entweder du nimmst ein mattes MIP-Display in Kauf, oder du plünderst dein Sparschwein für eine fenix. Die Forerunner 570 räumt mit diesem Kompromiss auf: Sie bringt das leuchtende AMOLED-Display, Multiband-GPS und den Herzfrequenzsensor der neuesten Generation unter die Marke von 600 Euro. Bleibt eine Frage, die Garmin nicht allzu laut gestellt haben möchte: Ist diese Mittelklasse-Uhr für 549 Euro, ohne Karten und ohne EKG, wirklich richtig platziert, eingeklemmt zwischen einer kleinen Schwester für 299 Euro und einer großen Schwester für 749 Euro?
Die Forerunner 570 ist Garmins AMOLED-Lauf- und Triathlonuhr der Mittelklasse: helles Display, Multiband-GPS mit SatIQ, Sensor Elevate Gen 5 und eine nahezu komplette Trainingssuite. Sie richtet sich an regelmäßige Läufer und Hobby-Triathleten, die ernsthafte Metriken wollen, ohne zur fenix oder zur Forerunner 970 aufzusteigen. Das Versprechen eines bezahlbaren Premium-AMOLED wird eingelöst, aber das Fehlen von Karten und EKG hinterlässt zu diesem Preis einen unfertigen Eindruck.
7,5 / 10· RunMorph-Gesamtnote
GPS-Genauigkeit8,5
Akkulaufzeit7
Karten3
Metriken9
Preis-Leistung6
Für wen?Für regelmäßige Läufer und Hobby-Triathleten, die ein helles AMOLED, zuverlässiges Multiband-GPS und echtes Coaching wollen, ohne auf 749 Euro hochzugehen.
Für wen nicht?Für Trailläufer, die topografische Karten brauchen, oder für Läufer mit knappem Budget, denen die Forerunner 165 oder die COROS Pace 4 völlig ausreichen.
Garmin Forerunner 570: Die Modellreihe wird enger gestaffelt
Um die 570 zu verstehen, musst du dir die Neuordnung der Forerunner-Reihe von 2025 ansehen. Garmin hat die alte Logik 55 / 255 / 955 abgeschafft und durch eine übersichtlichere Staffelung ersetzt: die Forerunner 70 und die Forerunner 170 als AMOLED-Einstieg, die 570 in der Mitte und die Forerunner 970 ganz oben. Bei RunMorph beobachten wir eine Konstante: Jede neue Garmin-Generation holt Technologien, die früher dem Premiumsegment vorbehalten waren, eine Stufe nach unten. Die 570 ist das perfekte Beispiel, denn sie erbt den Sensor Elevate Gen 5, das Multiband-GPS und das Duo aus Mikrofon und Lautsprecher, das früher Modellen über 700 Euro vorbehalten war. Sie ist die direkte Nachfolgerin der Forerunner 265, der AMOLED-Referenz der Mittelklasse von 2023.
Das Problem: Garmin hat auch gelernt, mit dem Skalpell zu segmentieren. Die 570 bekommt fast alles, außer den beiden Funktionen, die Käufer zur 970 treiben würden: Farbkarten und EKG. Das ist kein Versehen, sondern eine bewusste kommerzielle Grenze. Der Name 570 lässt von einer kompletten Uhr träumen, doch tatsächlich ist sie eine AMOLED-Läuferuhr, die zwei Kästchen absichtlich leer lässt, um das Topmodell zu schützen. Genau darum geht es in diesem Test: Reicht das, was sie bietet, um 549 Euro zu rechtfertigen?
Technische Daten der Forerunner 570: Multiband-AMOLED ohne Karten
Die Version auf unserem RunMorph-Prüfstand ist die 47-mm-Variante in Slate Gray mit schwarzem Silikonarmband. Es gibt sie auch in 42 mm für schmale Handgelenke, mit etwas kleinerem Display und etwas kürzerer Akkulaufzeit.
Merkmal
Garmin Forerunner 570 (47 mm)
Marktstart
Mai 2025 (Verkaufsstart in Frankreich)
Gehäuse
47 x 47 x 12,9 mm, Lünette aus Aluminium, verstärktes Polymer
Gewicht
50 g (47 mm) / 42 g (42 mm), inklusive Armband
Display
AMOLED-Touchscreen 1,4 Zoll, 454 x 454 px, Gorilla Glass 3 (1,2 Zoll 390 x 390 bei der 42-mm-Version)
GPS-Genauigkeit und Herzfrequenzsensor: Was taugen die Tracks?
Hier schlägt sich die 570 am besten. Das Multiband-GPS mit Dualfrequenz L1 plus L5 ist dieselbe Hardware wie bei der 970, und die SatIQ-Technologie passt die genutzten Satellitensysteme in Echtzeit an, um Genauigkeit und Akkulaufzeit auszubalancieren. In unabhängigen Messungen wie in unserem eigenen Einsatz bleibt der Track im dichten Wald und entlang hoher Gebäude sauber, genau dort, wo Uhren mit einfacher Frequenz anfangen zu zickzacken. Für alle, die nach ihrer Pace pro Kilometer laufen, ist das der wichtigste Punkt, und er sitzt.
Bei der Herzfrequenz ist der Elevate Gen 5 eine echte Stufe besser als die Vorgängergenerationen. Bei Ausdauereinheiten und Läufen in gleichmäßigem Tempo liegt er bis auf wenige Schläge an einem Brustgurt. Wie immer bei einem Handgelenkssensor bleiben kurze Intervalle und abrupte Tempowechsel seine Schwachstelle: Für präzise Einheiten im Bereich der maximalen aeroben Geschwindigkeit oder an der Schwelle ist ein Brustgurt weiterhin die richtige Wahl. Bei RunMorph empfehlen wir, die 570 für Einheiten, bei denen jeder Schlag zählt, mit einem externen Sensor wie dem Garmin HRM 600 oder dem COROS HR Monitor zu koppeln. Ein kleiner Wermutstropfen speziell bei der 570: Anders als die 970 hat sie kein EKG, also keine Herzrhythmusmessung auf Abruf.
Keine Karten: das eigentliche Thema der Forerunner 570
Das ist der Absatz, den Garmin dich am liebsten überspringen lassen würde. Die 570 hat keinerlei Karten. Keine topografische Karte, keine farbige Grundkarte, keine Turn-by-Turn-Navigation auf einer Karte. Sie begnügt sich mit einer Brotkrumen-Navigation (deine Strecke als Linie angezeigt) und der Führung entlang importierter GPX-Routen, inklusive Rückkehr zum Startpunkt. Auf Straße und Bahn ist das kein Drama: Einen Tempolauf läuft man selten mit Blick auf die Karte.
Doch sobald du einen Fuß auf einen Trail setzt, wird das Fehlen von Karten zum Nachteil. Dich an einer Singletrail-Kreuzung orientieren, spontan eine Runde verlängern, prüfen, ob du keine Abzweigung verpasst hast: Für all das brauchst du eine Karte, und die 570 hat keine. Für 549 Euro ist das schwer zu akzeptieren, wenn eine COROS Pace Pro für 349 Euro kostenlose weltweite Offline-Karten mitbringt. Das ist die gravierendste Schwäche dieser Uhr, und sie allein erklärt, warum unsere Note für Karten auf 3 von 10 fällt.
Sind die Karten der Schwachpunkt, ist die Software die große Stärke, und zwar auf sehr hohem Niveau. Die 570 bringt nahezu das gesamte Garmin-Trainingsökosystem mit: Training Readiness (jeden Morgen ein Wert von 1 bis 100, der dir sagt, ob dein Körper bereit ist), HRV Status, Body Battery, Schlaftracking mit Schlafphasen, VO2max, Trainingsbelastung und Trainingszustand, tägliche Trainingsvorschläge, PacePro für die Pace-Steuerung und Wettkampfzeit-Prognosen. Die Laufeffizienzwerte (Schrittfrequenz, Schrittlänge, Bodenkontaktzeit, vertikale Bewegung, Leistung am Handgelenk) werden direkt gemessen, ganz ohne Zubehör.
Eine Neuheit, die für Triathleten zählt: der Garmin Triathlon Coach, ein kostenloser, adaptiver Plan, der deine Schwimm-, Rad- und Laufeinheiten an deine Form und Erholung anpasst. Dazu kommt der Multisportmodus mit Wechseln, und die 570 wird zur echten Triathlonuhr für Hobbysportler, während sich die Forerunner 170 auf Einzelsportarten beschränkt. Auf diesem Feld verdient sich die 570 ihre 9 von 10 bei den Metriken ohne jede Diskussion.
Der Tipp von RunMorph. Wenn du zwischen der 570 und der Forerunner 170 für 299 Euro schwankst, stell dir nur eine Frage: Machst du Triathlon oder Multisport? Wenn ja, rechtfertigt sich die 570 durch ihren Wechselmodus und den Triathlon Coach. Bist du reiner Läufer, liefert dir die 170 90 Prozent der Metriken für 250 Euro weniger. Und wenn du auf Karten nicht verzichten kannst, schau dir lieber die COROS Pace Pro oder die Forerunner 970 an.
Der Praxistest: von 4:00 bis 6:00 min/km, auf Straße und Bahn
Wir haben die 570 durch einen Trainingsblock aus Long Runs im 5:30er-Schnitt, Tempoläufen mit 4:20 und Bahneinheiten mit 4:00 min/km geschickt, dazu einige Rad- und Schwimmeinheiten, um den Multisportmodus auf die Probe zu stellen. Erste Erkenntnis: Das 1,4-Zoll-AMOLED-Display ist ein echtes Vergnügen. Hell in praller Sonne, scharf, mit einem Always-on-Modus, der lesbar bleibt, beerdigt es in dieser Preisklasse endgültig die Ära der matten MIP-Displays. Mit 50 g ist die Uhr am Handgelenk kaum zu spüren, auch bei Läufen über zwei Stunden.
Beim Laufen ist die Satellitenerfassung schnell und der Track präzise. Bahneinheiten werden sauber aufgeteilt, die aktuelle Pace bleibt stabil. Mikrofon und Lautsprecher erlauben es, einen vom Handy weitergeleiteten Anruf anzunehmen, ein nettes Extra in der Trabpause. Bei der Akkulaufzeit sind die 14 Stunden im Multiband-Modus mit allen Systemen ordentlich, aber nicht außergewöhnlich: genug für einen Marathon oder einen Langdistanz-Triathlon, Ultratrailläufer müssen sich aber anderswo umsehen. Im Smartwatch-Betrieb mit ein bis zwei GPS-Einheiten pro Woche kommst du entspannt durch die ganze Woche, real etwa 8 bis 10 Tage.
Was uns weniger gefallen hat, abgesehen von den fehlenden Karten: der Preis. Mit 549 Euro liegt die 570 sehr nah an den 599 Euro einer Suunto Race 2, die Offline-Karten und eine längere Akkulaufzeit bietet. Die 570 ist exzellent, aber ihr Preis stellt sie gegen besser ausgestattete Konkurrentinnen.
Forerunner 570 vs. 170 vs. 970 vs. COROS Pace Pro: der Vergleich
Um die 570 fair einzuordnen, muss man sie zwischen ihre beiden Garmin-Schwestern stellen und gegen die Konkurrentin, die sie beim Preis-Leistungs-Verhältnis am stärksten unter Druck setzt.
Kriterium
Forerunner 570
Forerunner 170
Forerunner 970
COROS Pace Pro
Preis
549 Euro
299 Euro
749 Euro
349 Euro
Display
AMOLED 1,4"
AMOLED 1,2"
AMOLED 1,4" Saphir
AMOLED 1,3"
Multiband-GPS
Ja
Nein (einfache Frequenz)
Ja
Ja
Karten
Nein
Nein
Ja (farbig)
Ja (offline, kostenlos)
EKG
Nein
Nein
Ja
Nein
Triathlon / Multisport
Ja
Nein
Ja
Ja
Akkulaufzeit Multiband-GPS
~14 h
~19 h einfache Freq.
~21 h
~31 h
Das Bild ist eindeutig. Gegenüber der 170 bringt die 570 Multiband-GPS und Multisport mit, was den Aufpreis für Triathleten rechtfertigt. Gegenüber der 970 verzichtet sie für 200 Euro weniger auf Karten, EKG und Saphirglas. Das unangenehmste Problem stellt aber die COROS Pace Pro: Für 349 Euro bietet sie Offline-Karten und eine bessere Akkulaufzeit als die 570 für 549 Euro. Garmin verkauft hier die Zuverlässigkeit seines Ökosystems und seine Trainingssuite, doch wer rational kauft, wird diese 200 Euro Differenz genau abwägen.
Helles, scharfes 1,4-Zoll-AMOLED-Display, ein echter optischer Sprung
Sehr zuverlässiges Multiband-GPS mit Dualfrequenz, auch in schwierigem Gelände
Solider Sensor Elevate Gen 5 bei Ausdauereinheiten
Nahezu komplette Trainingssuite: Training Readiness, HRV, PacePro, Triathlon Coach
Multisportmodus mit Wechseln, eine echte Triathlonuhr für Hobbysportler
Mikrofon, Lautsprecher, Garmin Pay und Offline-Musik
Was uns weniger gefallen hat
Keinerlei Karten, ein Nachteil, sobald du die Straße verlässt
Kein EKG, anders als bei der 970
Akkulaufzeit mit Multiband-GPS nur durchschnittlich (14 h)
Preis von 549 Euro zu nah an besser ausgestatteten Konkurrentinnen
Gorilla Glass 3 statt Saphirglas
Unsere Einschätzung aus der Praxis: für welche Läufer?
Regelmäßige Straßen- und Bahnläufer
Das ist die ideale Zielgruppe. Wenn du 30 bis 60 km pro Woche auf Straße und Bahn abspulst, einen Halbmarathon oder Marathon anpeilst und eine Karte nie vermisst, bekommst du mit der 570 ein herausragendes Display, zuverlässiges GPS und erstklassiges Coaching. Du profitierst von allem, was Garmins Ruf ausmacht, ohne für die 970 zu zahlen.
Hobby-Triathleten
Hier wird die 570 richtig interessant. Multisportmodus mit Wechseln, Schwimmen im Becken und Freiwasser, Radfahren, kostenloser Garmin Triathlon Coach: genug, um dich ernsthaft auf eine Sprint- oder olympische Distanz oder sogar eine Mitteldistanz vorzubereiten, ohne in eine höhere Klasse zu wechseln. In diesem Profil rechtfertigt sie ihren Preis gegenüber der 170 am besten.
Gelegentliche Trailläufer (mit Einschränkung)
Dank Multiband-GPS kommt die 570 mit gut laufbaren Trails zurecht, doch ohne Karten scheidet sie aus, sobald das Gelände anspruchsvoller wird. Läufst du überwiegend Trail, greif lieber zu einer Uhr mit Karten wie der Suunto Race 2 oder der Forerunner 970.
Deine Uhr misst, dein Plan bringt dich weiter.
Eine Forerunner 570 am Handgelenk liefert dir die Daten (Training Readiness, Pace, Belastung). Ein RunMorph-Plan gibt ihnen einen Sinn: Einheiten, abgestimmt auf deine Tagesform, und ein klarer Weg zu deinem Halbmarathon, deinem Marathon oder deinem ersten Triathlon. Entdecke die Trainingspläne von RunMorph und mach aus deinen Metriken Bestzeiten.
Die Garmin Forerunner 570 ist eine exzellente Uhr, die von ihrer Positionierung ausgebremst wird. Technisch macht sie fast alles sehr gut: Das AMOLED ist herausragend, das Multiband-GPS zuverlässig, die Trainingssuite gehört zu den besten auf dem Markt, und der Triathlonmodus macht sie zu einer echten Multisportuhr. Garmin hat aber bewusst Karten und EKG weggelassen, um die 970 zu schützen, und den Preis bei 549 Euro belassen, also sehr nah an Konkurrentinnen, die Karten bieten. Das Ergebnis ist eine Uhr, die wir Straßenläufern und Hobby-Triathleten ohne Bedarf an Karten ohne Zögern empfehlen und von der wir abraten, sobald der Trail ruft. Ein sehr gutes Produkt, dessen Preispositionierung verhindert, dass es eine klare Wahl ist. RunMorph-Note: 7,5/10.
Das Wichtigste für dein Training
1,4-Zoll-AMOLED-Display und zuverlässiges Multiband-GPS: Die 570 meistert Straße, Bahn und Triathlon perfekt.
Trainingssuite auf Topniveau (Training Readiness, HRV, PacePro, Triathlon Coach), um deinen Fortschritt zu steuern.
Keine Karten: Finger weg, wenn du überwiegend auf technischen Trails läufst.
Für präzise Intervalle kombinierst du sie am besten mit einem Brustgurt, denn der Handgelenkssensor stößt bei kurzen Belastungen an seine Grenzen.
Vergleiche sie für 549 Euro mit der Forerunner 170 (günstiger) und der COROS Pace Pro (Karten inklusive), bevor du dich entscheidest.