Lange tat Hoka so, als bräuchte die Marke keine Trailweste. Der Hersteller, der die Dämpfung auf der Straße revolutioniert hat, konzentrierte sich auf seine Laufschuhe und überließ den Markt der Trinkwesten Salomon, Compressport und NNormal. Dann brachte Hoka 2024 die Trail Run Vest 10L heraus, mit einer radikalen Designwette: die ganze Weste um einen eingenähten, nicht abnehmbaren Köcher herum zu bauen, der fest im Gewebe sitzt. Zwei Jahre später lässt sich sagen: Die Wette ist aufgegangen.

© Hoka, offizielles Foto, verwendet zu redaktionellen Zwecken
Hoka Trail Run Vest 10L: Ein Riese kehrt auf einen Markt zurück, den er aufgegeben hatte
Hoka hatte sich schon vor einigen Jahren mit einer Reihe namens „Evo“ an Trailrucksäcken versucht, getragen unter anderem von Ludovic Pommeret bei seinem Sieg beim UTMB. Diese Modelle waren eher hybride Rucksäcke als echte Trailwesten und verschwanden schnell wieder aus dem Katalog. Die Marke konzentrierte sich wieder auf Laufschuhe, ihr Kerngeschäft.
Die Hoka Trail Run Vest 10L ändert das. Das ist keine Stilübung und kein Lückenfüller im Katalog, sondern eine technische Weste, gebaut um eine radikale und bewusste Designentscheidung. Hoka hat den Köcher direkt an die Weste genäht, die gesamte Rückenstruktur um ihn herum konstruiert und ihn zum Herzstück des Konzepts gemacht. Das ist ein Bruch mit allen anderen Anbietern am Markt, bei denen der Köcher meist abnehmbar, oft instabil und als Zubehör gedacht ist.
Für eine V1 ist das Ergebnis verblüffend. Die Weste zielt klar auf das Performance-Segment, vom schnellen 30-km-Rennen bis zum 100-km-Ultra mit Verpflegung. Gedacht ist sie für Trailläufer, die mit Stöcken laufen und maximale Stabilität wollen, ohne auf gute Erreichbarkeit zu verzichten.
Technische Daten der Hoka Trail Run Vest 10L
| Marke | Hoka |
| Modell | Trail Run Vest 10L |
| Artikelnummer | 1175570 |
| Volumen | 10 L (kompakt) |
| Leergewicht | 250 g (Größe M, mit Köcher) |
| Verfügbare Größen | S, M, L, XL (unisex) |
| Fronttaschen | 6 (2 Flaschenfächer + 2 elastische mit Reißverschluss + 2 mit seitlicher Öffnung) |
| Rückentaschen | 3 (1 große obere mit Reißverschluss + 2 untere Tunneltaschen) |
| Schultertasche | 1 mit Reißverschluss (integrierte Pfeife) |
| Seitentaschen | 2 kleine |
| Taschen gesamt | 12 |
| Trinkblase kompatibel | Nein |
| Mitgelieferte Soft Flasks | 2 x 500 mL HydraPak (integriertes Ventil) |
| Stockhalterung | Integrierter, eingenähter Köcher (nicht abnehmbar) |
| Material | Elastisches + nicht elastisches Mesh + Elasthan (100 % recycelt) |
| Reflektoren | Ja (Logo hinten) |
| Geeignet für UTMB-Pflichtausrüstung | Ja (Trinkblase separat hinzufügen) |
| Verfügbare Farben | Weiß/White (WHT), Schwarz/Black (BLK), Squadron/Night (SQDNK) |
| Offizieller Preis | 180 € |

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Der Tipp von RunMorph: Wenn du zwischen der Hoka Trail Run Vest und der Salomon S/Lab Ultra 12 schwankst, lautet die zentrale Frage: Läufst du im Rennen grundsätzlich mit Stöcken? Wenn ja, gewinnt die Hoka bei der Stabilität des Köchers klar. Wenn du selten mit Stöcken läufst, nimm lieber die Compressport Ultrun Evo 10 V2 (114 g, 180 €) oder die NNormal Race Vest 5L für ein leichteres und flexibleres Format.
Der eingenähte Köcher: Was bringt er wirklich?
Das ist das Detail, das alles verändert. Bei anderen Westen ist der Köcher meist ein separates Teil, das mit Gurten oder Clips an der Weste befestigt wird, oft schräg, manchmal wackelig. Hoka geht den umgekehrten Weg: Der Köcher ist direkt in die Rückenstruktur der Weste eingenäht. Die gesamte Rückenkonstruktion ist um ihn herum gebaut.
Das Ergebnis ist eine Stockstabilität, die am Markt ihresgleichen sucht. Kein seitliches Pendeln, kein Schaukeln, ob die Weste voll oder fast leer ist. Der steife Kragen des Köchers erleichtert das Einstecken und Herausziehen der Stöcke in der Bewegung. Der Schaumeinsatz hinter der Basis verhindert jeden Druck auf den Rücken. Auf 100 km mit 4000 Höhenmetern, bei 5 bis 8 km/h je nach Abschnitt, spürst du den Köcher nie, auch wenn die Stöcke gerade nicht im Einsatz sind.
Der Haken ist real: Der Köcher lässt sich nicht abnehmen. Wenn du nie mit Stöcken läufst, trägst du ein nutzloses, strukturiertes Element mit, das Gewicht hat und den Stauraum hinten um sich herum organisiert. Das ist der zentrale Kompromiss der Hoka Trail Run Vest, und du solltest ihn vor dem Kauf kennen.

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Der Praxistest: 200 km, die Templiers, vom schnellen 30-km-Lauf bis zum 100-km-Ultra
Wir haben die Hoka Trail Run Vest 10L gut sechs Wochen lang unter sehr unterschiedlichen Bedingungen getestet: kurze Läufe in hohem Tempo (4 bis 5 min/km), lange Bergeinheiten mit 6 bis 7 min/km und das Rennen der Templiers (100 km / 4000 Höhenmeter, technische und schnelle Abschnitte). Insgesamt rund 200 bis 300 km mit dieser Weste auf dem Rücken.
Die Stabilität ist der erste Pluspunkt, der sofort auffällt. Ob die Soft Flasks voll, halb leer oder fast leer sind, sie bleiben fest an der Brust. In technischen Abfahrten bewegt sich die Weste nicht. Bei Intervallen im Flachen rutscht sie nicht hoch. Das ist selten bei 10L-Westen, bei denen man meist zwischen Leichtigkeit und Wippen abwägen muss.
Die Passform ist ein weiterer Volltreffer. Der magnetische Hakenverschluss funktioniert zuverlässig und lässt sich im Rennen schnell bedienen. Die höhenverstellbaren Bauchgummis erlauben eine präzise Anpassung an deinen Körperbau. Die Weste fühlt sich eher wie ein Laufkleidungsstück an als wie ein Rucksack: kein Druck, keine Atembehinderung, keine harten Stellen.
Die Erreichbarkeit der Fronttaschen ist durchdacht. Alle 6 Taschen vorn lassen sich nutzen, ohne den Laufrhythmus zu brechen. Die beiden unteren Tunneltaschen hinten sind weniger intuitiv erreichbar (Öffnung nach unten), erweisen sich aber als praktisch, sobald der Griff sitzt. Die große obere Reißverschlusstasche ist dagegen im Lauf nicht erreichbar und für Pflicht- oder Reserveausrüstung gedacht.
Das Volumen ist der umstrittenste Punkt. 10 L auf dem Etikett, aber es ist ein „kleines 10L“: Die UTMB-Pflichtausrüstung passt hinein, aber nur, wenn der Inhalt optimiert ist. Komprimierbare Kleidung, Soft Flasks, kein Platz für Überflüssiges. Bei einem Rennen mit aktivierter Kälte-Ausrüstung solltest du einen zusätzlichen Laufgürtel einplanen.

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Hoka Trail Run Vest 10L vs. Konkurrenz: der Vergleich
| Kriterium |
Hoka Trail Run Vest 10L |
Compressport Ultrun Evo 10 V2 |
Salomon S/Lab Ultra 12 |
NNormal Race Vest 5L |
| Volumen | 10 L | 10 L | 12 L | 5 L |
| Gewicht | 250 g | 114 g | 205 g | 174 g |
| Preis | 180 € | 180 € | 200 € | 135 € |
| Köcher | Integriert, eingenäht (fest) | Elastisch, hinten | Custom Quiver (+30 €) | Elastisch, vorn |
| Trinkblase | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Mitgelieferte Soft Flasks | 2 x 500 mL | 2 x 500 mL | 2 x 500 mL | 2 x 500 mL HydraPak |
| Stabilität | Außergewöhnlich | Sehr gut | Sehr gut | Gut |
| Zielprofil | Stöcke + Ultra | Ultraleichter Ultra | Ultra 50-120 km | Skyrace 20-50 km |
Gegenüber der Compressport Ultrun Evo 10 V2 ist die Hoka 136 g schwerer, gewinnt aber an Stabilität und bei der Ergonomie des Köchers. Die Compressport bleibt die erste Wahl für alle, die bei gleichem Preis die leichteste Weste wollen.
Gegenüber der Salomon S/Lab Ultra 12 ist die Hoka 45 g schwerer und bietet 2 L weniger, doch der integrierte Köcher ist bei der Stabilität klar überlegen. Für sehr lange Rennen mit autarken Abschnitten bleibt die S/Lab Ultra 12 dank ihres Volumens und ihrer im Lauf erreichbaren Rückentasche vielseitiger.
+ Vorteile
- Außergewöhnliche Stabilität, bei Soft Flasks und Köcher
- Eingenähter Köcher: der stabilste am Markt
- Sehr präzise Passform, fühlt sich an wie Laufkleidung
- 12 Taschen, in der Bewegung gut erreichbar
- Dauerhafter Komfort auf Ultras (über 200 km ohne Druckstellen)
- Material zu 100 % recycelt
- Nachteile
- Köcher nicht abnehmbar (ein Ausschlusskriterium für alle ohne Stöcke)
- Kompaktes Volumen (kleines 10L, Ausrüstung optimieren)
- Nicht kompatibel mit einer Trinkblase am Rücken
- Elastische Fronttaschen etwas klein
- 180 €: hoher Preis gegenüber der Compressport (die nur halb so viel wiegt)
Für wen empfehlen wir die Hoka Trail Run Vest 10L?
Der Trailläufer mit Stöcken (30 km bis Ultra)
Das ist das ideale Profil. Wenn du regelmäßig mit Stöcken läufst, auf technischen 30-km-Strecken oder bei 80-100-km-Formaten mit vielen Höhenmetern, ist die Hoka Trail Run Vest der beste Köcher am Markt, Punkt. Die Stabilität der Stöcke verändert den Laufkomfort, vor allem in schnellen Abfahrten oder technischen Passagen. Diese Weste wurde für dich gemacht.
Der leistungsorientierte Ultraläufer mit optimierter Ausrüstung
Wenn deine Rennausrüstung kompakt ist (dünne Kleidung, Soft Flasks, reduzierte Pflichtausrüstung), deckt die Hoka Trail Run Vest Formate von 50-120 km sehr gut ab. Die UTMB-Pflichtausrüstung erfüllt sie mit genug Kapazität für ein normales Sommer-Kit. Bei den großen Rennen (UTMB, CCC, Maxi Race) wird sie zu einer sehr guten Wahl, wenn du mit Stöcken läufst.
Der vielseitige Läufer ohne Vorliebe für Stöcke
In diesem Fall schau dir lieber die Compressport Ultrun Evo 10 V2 (114 g, gleicher Preis) oder die Osprey Duro 6 (220 g, 145 €, Trinkblase kompatibel) an. Der nicht abnehmbare Köcher wird zur Einschränkung ohne Mehrwert, und das kompakte Volumen der Hoka schränkt ihren allgemeinen Nutzen ein.
Bereite dein nächstes Trailrennen mit RunMorph vor
Die Hoka Trail Run Vest 10L deckt Formate von 30 km bis zum Ultra ab. Damit du das Beste aus deinen Long Runs und Trail-Intervallen holst, bietet RunMorph strukturierte Pläne über 8 bis 24 Wochen, vom 30-km-Einsteiger bis zum 100-km-Ultra.
Zu den RunMorph-Trainingsplänen

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Fazit des RunMorph-Coachs
Die Hoka Trail Run Vest 10L ist eine bemerkenswert ausgereifte V1. Die Marke hat keine halben Sachen gemacht, sondern sich für eine starke Designidee entschieden, den eingenähten, integrierten Köcher, und diese präzise umgesetzt. Die Stabilität dieser Weste, bei den Soft Flasks wie bei den Stöcken, übertrifft alles, was wir in dieser Gewichtsklasse getestet haben.
Die Grenzen sind bekannt: kompaktes Volumen, nicht abnehmbarer Köcher, keine Trinkblase am Rücken. Das sind keine Verarbeitungsmängel, sondern bewusste Entscheidungen, die das Zielprofil sehr klar definieren. Diese Weste ist für Trailläufer mit Stöcken gemacht, die auf 30 km bis 100 km die bestmögliche Stabilität wollen, mit optimierter Rennausrüstung.
Mit 180 € ist der Preis im Vergleich zur direkten Konkurrenz hoch. Die Compressport Ultrun Evo 10 V2 kostet gleich viel und wiegt nur halb so viel (114 g gegenüber 250 g), auch wenn sie weniger Tragekomfort bietet. Die Hoka rechtfertigt ihren Preis mit dem besseren Nutzungserlebnis für alle, die regelmäßig mit Stöcken laufen.
RunMorph-Note: 8 / 10