Der NNormal Tomir 2.0 ist die zweite Version des Allround-Modells der andorranischen Marke von Kilian Jornet, gebaut für alles vom Trail-Halbmarathon bis zum Ultra. Mit superkritischem EExpure-Schaum, Vibram-Megagrip-Litebase-Außensohle, 8 mm Sprengung und 360-Stitch-Konstruktion verspricht er den Grip eines Technikschuhs und den Komfort eines Langstreckenschuhs. Als RunMorph-Coach gebe ich dir meine ausführliche Einschätzung, nach vollständiger Auswertung der Daten und abgeglichen mit Erfahrungen aus dem Gelände.
NNormal Tomir 2 im Test: Kilian Jornets langlebiger Trailschuh
NNormal Tomir 2: Kilian Jornets Allrounder für lange Trails
NNormal ist die junge andorranische Marke, die Kilian Jornet und die Camper Group Ende 2022 gegründet haben, mit einem klaren Versprechen: weniger Modelle, mehr Haltbarkeit und ein Lastenheft, das die Läufer selbst schreiben. Der Tomir 2.0 kam im März 2024 auf den Markt, löst den Tomir 1.0 ab und ist der vielseitige Trailschuh im Sortiment, als Ergänzung zum Kjerag 2 (minimalistischer, für kurze Rennen). Während der Kjerag für erfahrene Füße und Rennen bis zur Marathondistanz gemacht ist, begleitet dich der Tomir 2 vom Trail-Halbmarathon bis zum Ultra, auf abwechslungsreichem und anspruchsvollem Terrain.
Version 2 behebt die Schwächen der ersten: Dämpfung neu abgestimmt mit superkritischem EExpure-Schaum (derselbe wie beim Kjerag), ein um 2 mm höheres Profil für mehr Schutz, ein atmungsaktiveres Ripstop-Obermaterial und vor allem eine Haltbarkeit, die in diesem Segment Maßstäbe setzt. Der offizielle Preis bleibt mit 195 € hoch, doch das erklärte Ziel sind deutlich mehr als 1.000 km, und die ersten unabhängigen Messungen bestätigen das.
Der Tipp von RunMorph: Der Tomir 2 ist kein Schuh für Schwellenläufe oder Fahrtspiel. Er ist ein Umfangsschuh, gemacht für deine langen Trailläufe und deine Ultras. Suchst du einen spritzigeren Wettkampfschuh, schau dir lieber den Salomon S/Lab Genesis oder den Hoka Tecton X 3 an. Willst du einen günstigeren Allrounder, lies auch meinen Test des La Sportiva Prodigio 2.

© NNormal, offizielles Foto, verwendet zu redaktionellen Zwecken.
Objektive technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Marke | NNormal |
| Modell | Tomir 2.0 |
| Offizieller Marktstart | 15. März 2024 |
| Typ | Vielseitiger Langstrecken-Trailschuh, Trail-Halbmarathon bis Ultra |
| Sprengung | 8 mm |
| Stack Height | 33 mm Ferse / 25 mm Vorfuß |
| Gewicht | 288 g (UK 8,5, EU 42 2/3) |
| Schaum | Superkritischer EExpure 45C |
| Strukturverstärkung | 360 Stitch (umlaufende 360-Grad-Nylonnaht zwischen Obermaterial und Sohle) |
| Carbonplatte | Nein |
| Außensohle | Vibram Megagrip Litebase, Traction Lug, 33 Stollen mit 5 mm |
| Obermaterial | Ripstop TPE, Polyester, Nylon-Monofilament |
| Einlegesohle | Ortholite mit geformtem Fußgewölbe |
| Versionen | Standard, Boot (hoher Schaft), Gore-Tex |
| Zieldistanz | 20 km bis über 100 km |
| Offizieller Preis | 195 € |
Für wen ist der Tomir 2 gemacht?
Der Ultratrail-Läufer, der ein Paar für alles will
Läufst du 40 bis 100 km pro Woche im Gelände und bereitest ein langes Ziel vor (einen 80er, einen 100er, vielleicht sogar deinen ersten Nischen-UTMB), dann ist der Tomir 2 dein Schuh. Mit ihm reihst du lange Sonntagsläufe, Bergtouren und sogar ein paar Bergintervalle aneinander, ohne den Schuh zu wechseln. Dank seiner Haltbarkeit verteilst du die 195 € auf 1.000 km oder mehr, während die meisten Konkurrenten bei 600-700 km schlappmachen.
Der anspruchsvolle Läufer, der überall Grip will
Vibram Megagrip Litebase ist heute die Referenz für vielseitigen Trail-Gummi. Die 5-mm-Stollen decken nahezu jeden Untergrund ab, vom flowigen Pfad über nassen Fels bis zu festem Matsch. Im tiefen Schlamm ist er nicht der bissigste Schuh (der Salomon Speedcross 6 oder der Saucony Peregrine 16 sind in diesem Punkt besser), aber bei der Vielseitigkeit im Gelände können ihm nur wenige Modelle das Wasser reichen.
Der Läufer, dem Haltbarkeit und faire Herstellung wichtig sind
NNormal ist auch eine Philosophie: weniger Modelle, mehr Haltbarkeit, bewusst gewählte Materialien und eine Fertigung mit Basis in Andorra, nah an den europäischen Märkten. Legst du Wert darauf, wie lange deine Ausrüstung wirklich hält, auf den Verzicht auf kalendergetriebene Obsoleszenz (NNormal bringt alle zwei Jahre einen neuen Tomir, nicht alle sechs Monate) und auf eine Marke, die zu ihrer Haltung steht, findest du hier eine Konsequenz, die in diesem Segment selten ist.

© NNormal, offizielles Foto, verwendet zu redaktionellen Zwecken.
Komfort, Laufverhalten und Grip
Was beim Tomir 2 im Vergleich zum Tomir 1 als Erstes auffällt, ist die Dämpfung. Der V1 setzte auf klassisches EVA, das Laufgefühl war hart und ohne Pep. Der V2 wechselt zum superkritischen EExpure-45C-Schaum: dieselbe Chemie wie beim Kjerag, aber in einer etwas nachgiebigeren Dichte für lange Distanzen. Unter dem Fuß bleibt er fest (vom weichen Gefühl eines Hoka Mafate 5 ist er weit entfernt), doch die Energierückgabe ist spürbar dynamischer, und die Muskelermüdung nach 3 oder 4 Stunden Laufen hält sich besser in Grenzen.
Das 360 Stitch ist das zweite technische Markenzeichen: eine Nylonnaht, die den ganzen Schuh umläuft und Obermaterial, Zwischensohlenschaum und Außensohle verbindet. In der Praxis bringt das zwei wertvolle Dinge: mehr seitliche Stabilität (der Fuß knickt im Querhang nicht weg) und eine strukturelle Haltbarkeit weit über dem Durchschnitt. Unabhängige Rückmeldungen über 500 bis 1.000 km bestätigen, dass weder das Mesh noch die Sohle Anzeichen von Verschleiß zeigen.
Beim Grip erledigt die Vibram Megagrip Litebase ihren Job auf der ganzen Palette klassischer europäischer Untergründe: flowiger Pfad, Singletrail im Wald, steiniger Weg, nasser Fels. Die 33 Stollen mit 5 mm sind gut verteilt, mit einer bissigeren Zone an der Ferse für steile Abstiege. Auf nassem, technischem Boden (Wurzeln, Felsplatten) hast du das Vertrauen, das du erwartest. Etwas nach lässt er im tiefen, schmierigen Schlamm, wo sich die Stollen schneller zusetzen als bei einem echten Schlammschuh.
Das Ripstop-TPE-Obermaterial ist robust und drainiert gut: Es trocknet schnell nach einer Bachquerung, reißt nicht, wenn es an Steinen schrammt, und bleibt bei Hitze ausreichend atmungsaktiv. Die Passform ist mittelweit mit einer leicht verbreiterten Zehenbox, die deinen Zehen auf langen Abstiegen Platz lässt, ohne dass der Fuß schwimmt. Die Zunge ist seitlich angenäht (Gusset), damit kein Dreck hineinkommt.
Vergleich mit der Konkurrenz
Im Segment „vielseitiger Langstrecken-Trailschuh, 50 bis 100 km“ trifft der Tomir 2 auf ernsthafte Referenzen:
- Hoka Mafate 5 (320 g, Sprengung 8 mm, 45/37, 190 €): weicher und schützender, besser für sehr lange Ultras auf flowigen Wegen, aber schwerer und weniger präzise im technischen Gelände.
- Salomon S/Lab Genesis (235 g, Sprengung 8 mm, 30/22, 200 €): spritziger und leichter, gebaut für Trailrennen, aber weniger haltbar und weniger nachsichtig auf sehr langen Distanzen.
- On Cloudultra Pro (260 g, Sprengung 6 mm, 39/33, 270 €): Elite-Supershoe für den Trail, schneller für Racer, aber teuer und weniger vielseitig.
- La Sportiva Prodigio 2 (280 g, Sprengung 6 mm, 28/22, 160 €): vielseitige italienische Alternative, günstiger, ideal für Läufer mit sicherer Technik.
Mein Fazit im Vergleich: Zählt für dich die Haltbarkeit pro Kilometer, machen das 360 Stitch und die Langlebigkeit der Vibram Megagrip Litebase den Tomir 2 zur vernünftigsten Investition der Gruppe. Zählt reine Leichtigkeit, schau dir lieber den S/Lab Genesis an. Willst du maximalen weichen Komfort, bleibt der Mafate 5 die Referenz.
So baust du den Tomir 2 in deinen RunMorph-Trainingsplan ein
Als Coach sehe ich drei klar umrissene Rollen für den Tomir 2 in deiner Trail-Trainingswoche:
- Der lange Sonntagslauf (2 h bis 5 h): Der Komfort des superkritischen Schaums und die 8 mm Sprengung lassen dich Stunde um Stunde laufen, ohne Waden und hintere Oberschenkel zu zermürben. Genau hier glänzt er.
- Technische Bergläufe mit Höhenmetern (600 bis 2000 Hm): Vibram-Grip, 360-Stitch-Stabilität und der Schutz des Ripstop-Obermaterials bringen dich auf wechselndem Terrain sicher durch.
- Dein Zielrennen über 50 bis 100 km: Dafür ist er gebaut. Vorher 200 km eingelaufen, kannst du ihm bei deinem ersten Ultra blind vertrauen.
Für schnelle Einheiten auf Straße oder Bahn solltest du ihn dagegen nicht nehmen: Die Sohle nutzt sich vorzeitig ab, und du verlierst den Vorteil des Trail-Grips. Für diese Einheiten behältst du besser einen echten Straßenschuh wie den Asics Magic Speed 5 oder den Hoka Mach 7. Willst du das alles clever strukturieren, wirf einen Blick auf die RunMorph-Trainingspläne: Wir haben Ultra-Programme (50 km, 80 km, 100 km), die dir genau sagen, welchen Schuh du an welchem Tag der Woche trägst.

© NNormal, offizielles Foto, verwendet zu redaktionellen Zwecken.
Das Urteil des RunMorph-Coachs
Der NNormal Tomir 2.0 ist ein ausgereifter Trailschuh, gebaut für Langlebigkeit und dafür, dich zuverlässig über lange Distanzen zu tragen. Er ist nicht der weichste, nicht der spritzigste, nicht der bissigste: Er ist der ausgewogenste und haltbarste im Segment. Sein größter Nachteil bleibt der Preis (195 €), der abschrecken kann, doch pro gelaufenem Kilometer gerechnet ist er wohl die lohnendste Investition in meiner Auswahl für lange Trails.
Meine Gesamtnote: 8,5/10. Einen halben Stern Abzug gibt es, weil er im tiefen Schlamm noch Luft nach oben hat und für Läufer, die pure Weichheit suchen, etwas fest ist. Aber für seinen eigentlichen Zweck (ein haltbarer, vielseitiger Ultratrail-Schuh) erfüllt er alle Kriterien.

© NNormal, offizielles Foto, verwendet zu redaktionellen Zwecken.
Das Wichtigste für dein Training
- Kategorie: vielseitiger Langstrecken-Trailschuh, 50 km bis 100 km, Sprengung 8 mm, Stack 33/25.
- Größte Stärke: die echte Haltbarkeit (deutlich über 1000 km) dank 360 Stitch und Vibram Megagrip Litebase, was ihn zur vernünftigsten Investition pro Kilometer im Segment macht.
- Zweite Stärke: außergewöhnliche seitliche Stabilität auf technischem Untergrund, perfekt für Querhang-Pfade in den Bergen.
- Grenze, die du kennen solltest: fest unter dem Fuß, nichts für dich, wenn du die Weichheit eines Max-Cushion-Schuhs wie dem Mafate 5 suchst. Lässt außerdem im tiefen, schmierigen Schlamm etwas nach.
- Platz in der RunMorph-Woche: langer Sonntagslauf, technische Bergläufe, Ultra-Zielrennen. Für schnelle Einheiten auf der Straße ungeeignet.
