Kilian Jornet muss auf den Trails niemandem mehr etwas beweisen, doch NNormal, seine Marke, muss noch über den Kreis der Ultraläufer hinaus überzeugen. Der Kjerag 2 zeigt, dass die Marke aus Andorra ihre Fehler korrigieren kann: Die V1 wurde für ihre Präzision gelobt, galt aber als zu hart. Jetzt folgt eine V2 mit mehr Dämpfung, die nichts von ihrem chirurgischen Charakter verliert.

© NNormal, offizielles Foto, redaktionell verwendet
NNormal, die Marke von Kilian Jornet, korrigiert mit dem Kjerag 2 den Kurs
NNormal basiert auf einer einfachen Wette: ein schlankes Sortiment ohne überflüssige Modellflut, getragen vom Image und der Praxiserfahrung von Kilian Jornet. Bei RunMorph hat die Marke bereits mit dem NNormal Tomir 2 überzeugt, einem vielseitigen Schuh für kurze Trailrennen bis hin zum Ultra. Der Kjerag spielt in einem ganz anderen Segment: pure Präzision, entwickelt für steinige Trails und hohes Tempo.
Die erste Version des Kjerag fiel durch ihren kompromisslosen Minimalismus auf, doch viele französische Tester fanden sie für längere Einsätze zu hart. Beim Kjerag 2 wechselt NNormal den Schaum (eine neue TPE-Formulierung ersetzt das superkritische EVA der V1) und legt 2 bis 3 mm Stack Height zu. Das Ziel: die chirurgische DNA des Schuhs bewahren und ihn gleichzeitig vielseitiger für lange Einheiten machen. Der Preis sinkt im Vergleich zur V1 leicht (190 € statt rund 200 €), was für einen Schuh mit dem Namen Kilian Jornet bemerkenswert bleibt.
Der Tipp von RunMorph: Wenn du im NNormal-Sortiment zwischen dem Kjerag 2 und dem Tomir 2 schwankst, frag dich, welche Distanzen und welches Gelände du läufst. Der Kjerag 2 zielt auf Präzision auf kurzen bis mittellangen technischen Trails, der Tomir 2 auf Komfort über lange Strecken bis zum Ultra.
EExpure-Schaum und Matryx-Obermaterial: Was ändert sich unter dem Fuß?
Die größte Neuerung dieser V2 steckt in der Zwischensohle. NNormal behält den Namen seines hauseigenen Schaums, EExpure, ändert aber die Formulierung komplett: Der Schuh wechselt von einem recht festen superkritischen EVA zu einem superkritischen TPE, einer Schaumfamilie, die du auch in manchen hochwertigen Carbon-Straßenschuhen findest. Im Trail-Einsatz bleibt die Formulierung fester als bei einem Straßenschuh, doch der Gewinn an Weichheit gegenüber der V1 ist deutlich. Die Stack Height an der Ferse steigt von 23 auf 26 mm. Auf dem Papier ist das ein bescheidenes Plus, auf losem Geröll verändert es das Gefühl beim Aufprall spürbar.
Beim Obermaterial ändert sich wenig: Matryx bleibt das optische und technische Markenzeichen des Schuhs, mit einem geflochtenen Gewebe, das den Fuß ohne unnötige Verdickungen umschließt. Die Zunge ist jetzt dehnbarer und sockenartig konstruiert, dadurch baut sich die Passform gleichmäßiger auf. Ein Punkt spaltet weiterhin die Meinungen: Es gibt keine herausnehmbare Einlegesohle, stattdessen eine Nubuk-ähnliche Textur, die direkt auf das Fußbett geklebt ist. Das bringt Präzision (kein Spiel im Schuh), doch manche Läufer berichten auf langen Läufen von ungewohnter Reibung an der Socke.

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Der Praxistest: von 4:30 bis 6:00 min/km auf technischen Trails
Bei hohem Tempo (4:30 bis 5:00 min/km) ist der Kjerag 2 eine Waffe: Der Fuß bleibt im Mittelfuß fest fixiert und rutscht selbst in steilen Querhängen nicht, und der Rocker treibt den Schritt nach vorne, ohne dass es sich anfühlt, als würdest du auf einem Brett laufen. Auf längeren Läufen in moderatem Tempo (5:30 bis 6:00 min/km) spürst du die zusätzliche Dämpfung gegenüber der V1 unter den Mittelfußköpfen, vor allem auf steinigen Abschnitten, wo das Fehlen einer Steinschutzplatte bei der Vorgängergeneration deutlich zu spüren war.
Die Außensohle Vibram Megagrip Litebase beißt sich perfekt in trockenen Fels und Gestein, mit flachen, niedrigen Stollen, die auf Kontaktfläche statt auf Eindringtiefe setzen. Auf nassem Gras oder schmierigem Schlamm stößt der Grip dagegen an seine Grenzen: Das ist klar nicht das Revier dieses Schuhs, der vor allem für trockene, technische Trails im Mittelgebirge gebaut ist.
Der Tipp von RunMorph: Wenn du regelmäßig auf matschigem Boden oder im feuchten Wald läufst, setz den Kjerag 2 lieber bei trockenen Bedingungen ein und halte für Regentage einen Schuh mit höheren Stollen bereit, etwa den Salomon Speedcross 6.
NNormal Kjerag 2 vs. Hoka Zinal 3: der Vergleich für deinen leichten Technik-Trailschuh
Im Segment der leichten Trailschuhe für technisches Gelände ohne Platte ist der Hoka Zinal 3, den RunMorph bereits getestet hat, der naheliegendste Vergleich. Beide Schuhe richten sich an erfahrene Läufer, die auf steinigen Trails Dynamik suchen, verfolgen aber unterschiedliche Philosophien.
| Kriterium | NNormal Kjerag 2 | Hoka Zinal 3 |
| Gewicht | ~225 g | 253 g |
| Sprengung | 6 mm | 5 mm |
| Stack Height Ferse | 26 mm | 31,8 mm |
| Passform | Sehr eng anliegend, sockenartig | Großzügiger, dehnbares Leno-Gewebe |
| Bevorzugtes Gelände | Trockene, steinige, technische Trails | Gemischtes Gelände, etwas vielseitiger |
| Preis | 190 € | 160 € |
Der Kjerag 2 ist leichter und präziser, gemacht für Läufer, denen absolute Kontrolle am wichtigsten ist. Der Zinal 3 bietet etwas mehr Dämpfung und eine großzügigere Passform zu einem günstigeren Preis. Entscheidend ist vor allem, welche Passform du bevorzugst: bei NNormal unmittelbar und eng umschließend, bei Hoka klassischer.
Vorteile und Nachteile des NNormal Kjerag 2
Vorteile
- Außergewöhnliche Präzision und Halt auf technischen Trails
- Federgewicht (~225 g) trotz mehr Schaum
- Neuer EExpure-Schaum komfortabler als bei der V1, ohne Einbußen bei der Dynamik
- Außensohle Vibram Megagrip Litebase sehr effektiv auf trockenem Fels
- Fairer Preis (190 €) für einen Schuh, hinter dem Kilian Jornet steht
Nachteile
- Keine herausnehmbare Einlegesohle, mögliche Reibung auf langen Strecken
- Begrenzter Grip auf schmierigem oder schlammigem Boden
- Keine Steinschutzplatte, du spürst das Geröll unter den Mittelfußköpfen
- Für lange Distanzen weniger geeignet als der Tomir 2 aus demselben Sortiment

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Unser Praxisurteil: Für wen ist der Kjerag 2 gemacht?
Technische Trailläufer, die Skyraces oder kurze Bergläufe bestreiten
Das ist das ideale Profil. Die Präzision des Kjerag 2 kommt auf steinigen Trails und bei schnellen Richtungswechseln voll zur Geltung, dort, wo ein schlecht geführter Fuß viel Energie kostet.
Läufer, die sich auf einen Trail-Marathon oder ein Rennen über 20 bis 42 km vorbereiten
Genau dafür ist der Kjerag 2 gebaut: genug Dämpfung, um die Distanz durchzuhalten, und genug Dynamik, um an langen Anstiegen nicht einzuschlafen.
Trail-Einsteiger oder Läufer, die einen Max-Cushion-Schuh für den Ultra suchen
Finger weg. Die sehr eng anliegende Passform und die nicht herausnehmbare Einlegesohle verlangen einen erfahrenen Fuß, und für Ultradistanzen bleibt ein stärker gedämpfter Schuh die bessere Wahl.
Die RunMorph-Empfehlung: Wenn du dich mit dem Kjerag 2 an den Füßen auf ein Skyrace oder einen technischen Trail-Marathon vorbereitest, macht ein strukturierter Plan bei Höhenmetern und Pace-Management den entscheidenden Unterschied. Entdecke die RunMorph-Trainingspläne für den Trail und plane deine Bergläufe und Downhill-Technikeinheiten passend zu deinem Renntermin.
Das Urteil des RunMorph-Coachs
Der NNormal Kjerag 2 hält, was er verspricht: Er behebt die größte Schwäche der V1, ohne zu verlieren, was ihn stark gemacht hat. Das Ergebnis ist einer der präzisesten Trailschuhe für technisches Gelände auf dem Markt, zu einem Preis, der angesichts des Markenimages vernünftig bleibt. Er will nicht allen gefallen: Fans von weichem Komfort und Einsteiger werden woanders fündig, und die nicht herausnehmbare Einlegesohle bleibt eine Entscheidung, die weiter polarisieren wird.
Für erfahrene Läufer, die auf einem steinigen Trail jeden Schritt spüren wollen, gibt es in dieser Gewichtsklasse kaum etwas Besseres. 8/10, mit einem kleinen Vorbehalt beim Grip auf schmierigem Untergrund und beim Komfort des Fußbetts auf sehr langen Distanzen.