Mit dem On Cloudultra Pro, erschienen am 19. Juni 2025, steigt die Schweizer Marke offiziell in die absolute Oberklasse des Ultra-Trailrunnings ein. Doppelte Lage Helion HF-Schaum, Speedboard-Platte aus Glasfaser, Missiongrip-Außensohle der neuen Generation, 260 g und 270 €: Alles an diesem Schuh ist auf Rennen ausgelegt, die länger als sechs Stunden dauern. Als Coach sehe ich darin einen Superschuh, der für Elite-Ultras gebaut ist, aber auch Finisher über 100 km anspricht. Hier erfährst du, für wen er sich wirklich eignet.
On Cloudultra Pro im Test: der erste Elite-Superschuh von On
On Cloudultra Pro: endlich ein Ultra-Trail-Superschuh von On
Lange Zeit glänzte On vor allem auf der Straße (der Cloudboom Strike LS ist das Aushängeschild), tat sich aber schwer, ein echtes Elite-Trailmodell zu etablieren. Der Cloudultra Pro ändert das. Entwickelt auf Basis des Feedbacks von Tom Evans, Sieger der Western States, und der On-Athleten beim Madeira Island Ultra-Trail über 115 km, greift er die High-End-Superschuhe im Trail frontal an.
Die Schweizer Marke setzt auf zwei große Innovationen. Erstens eine neue Architektur aus Helion HF-Schaum in zwei Dichten, die die Energierückgabe über die gesamte Distanz maximiert. Zweitens eine Missiongrip-Sohle, bei der jeder Stollen per FEA-Simulation (Finite-Elemente-Analyse) optimiert wurde, ausgehend von 200 ersten Entwürfen. Das Ergebnis passt in einen Satz: der erste echte Premium-Ultra-Trailschuh von On, gemacht für Podestplätze über 100 km und mehr.
Der Tipp von RunMorph: Der Cloudultra Pro ist kein Daily Trainer. Er ist ein Wettkampfschuh für erfahrene Läuferinnen und Läufer, die im Ultra auf Leistung gehen. Suchst du einen Schuh für die meisten deiner Läufe, schau dir lieber den On Cloudultra 3 (günstiger und haltbarer) oder den Salomon Ultra Glide 4 (preislich attraktiver) an. Den Pro hebst du dir für deine A-Rennen und die langen Läufe der Vorbereitung auf.

© On, offizielles Foto, verwendet für redaktionelle Zwecke
Objektive technische Daten
| Marke | On |
| Modell | Cloudultra Pro |
| Erscheinungsdatum | 19. Juni 2025 |
| Einsatzbereich | Ultra-Trail, Wettkampf |
| Sprengung | 6 mm |
| Stack Height Vorfuß / Ferse | 33 mm / 39 mm |
| Gewicht (Gr. 42) | 260 g (Herren), 215 g (Damen) |
| Schaum | Doppellage Helion HF (superkritischer Hyperfoam) |
| Platte | Speedboard aus Glasfaser, propulsiv |
| Außensohle | Missiongrip der neuen Generation, 4 mm Stollen |
| Obermaterial | Engineered Leno Weave (robust, schnell trocknend) |
| Empfohlene Distanz | Ultra-Trail (60 km bis 100 Meilen) |
| Offizieller Preis | 270 € |
Was du dir merken solltest: 260 g bei 39 mm Stack Height an der Ferse ist ein aggressives Verhältnis, wie man es von Superschuhen für die Straße kennt, hier für den Trail adaptiert. Die Sprengung von 6 mm liegt im Durchschnitt der Konkurrenz. Und anders als viele Carbonplatten übernimmt die Speedboard-Platte hier genauso eine stabilisierende wie eine antreibende Rolle. Das ist Absicht: Auf den zermürbenden Pfaden eines 100-Meilen-Rennens wird die volle Steifigkeit einer durchgehenden Carbonplatte schnell zur Strafe.
Für wen ist der On Cloudultra Pro gemacht?
Erfahrene Ultraläufer, die Zeit gutmachen wollen
Du läufst Rennen über 80 bis 170 km, kommst im ersten Drittel ins Ziel und suchst einen Schuh, der dir Zeit spart, ohne dich bei Kilometer 90 im Stich zu lassen? Dann ist der Cloudultra Pro genau für dich gebaut. Die Kombination aus doppeltem Helion HF und Speedboard gibt weiter Energie zurück, selbst wenn deine Oberschenkel schon schreien. Auf gut laufbaren Wegen und nicht zu technischen Singletrails ist er eine echte Maschine.
Finisher über 100 km, die einen Trail-Superschuh ausprobieren wollen
Du peilst über 100 km ein Finish zwischen 12 und 15 Stunden an? Dann kann der Pro deine zweite Rennhälfte deutlich aufwerten. Aber Vorsicht: Bist du noch nie einen Superschuh mit Platte gelaufen, absolviere vorher mindestens drei progressive Long Runs. So gewöhnen sich deine Waden und dein hinterer Schienbeinmuskel an den dynamischeren Abdruck, den deine üblichen Daily Trainer nicht liefern.
Wem ich davon abrate
Trail-Einsteigern, für kurze Läufe (unter 30 km), für sehr technisches Gelände (grobe Blockfelder, Querhänge, nasse Wurzeln) und für schwerere Läufer (über 85 kg), die vor allem Schutz suchen: Der Cloudultra Pro ist hier nicht die richtige Antwort. Für technisches Terrain schau dir besser den Hoka Speedgoat 7 an, beim Preis-Leistungs-Verhältnis den Kiprun Kipsummit Max.

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Komfort, Laufverhalten und Grip im Rennen
Einstieg und Obermaterial
Das Obermaterial aus Leno Weave ist ein echter Volltreffer. Das Gewebe ist robust, luftig, trocknet schnell und hält den Fuß bergab sicher, ohne ihn einzuengen. Der minimalistische Innenschuh lässt den Zehen gegen Ende langer Distanzen Platz, wenn der Fuß anschwillt. Die flache Zunge ohne zusätzliche Polsterung erzeugt keinen Druckpunkt auf dem Spann. Ich persönlich empfinde die Passform insgesamt als neutral, im Vorfuß leicht weit, was gut zum Ultra-Einsatz passt.
Dämpfung und Vortrieb
Hier beeindruckt der Pro. Die doppelte Lage Helion HF funktioniert wie ein Sandwich: Die obere Schicht absorbiert die Stöße, die untere gibt die Energie zurück. Zusammen mit der Speedboard-Platte entsteht ein Gefühl von permanentem Vortrieb, ohne die manchmal lästige Steifigkeit durchgehender Carbonplatten. Auf flachen oder leicht ansteigenden Passagen rollt der Schuh mühelos nach vorn. In harten Anstiegen hält die Dämpfung auch nach mehreren Stunden, während viele Trail-Superschuhe schon bei Kilometer 50 durchschlagen.
Stabilität und Halt
Mit 39 mm Stack Height an der Ferse steht man auf einer hohen Plattform. On hat die Basis gegenüber den Vorgängermodellen verbreitert, was das Kippgefühl reduziert. Auf laufbaren Wegen und einfachen Singletrails gibt es nichts zu beanstanden, der Schuh hält. In ausgeprägten Querhängen oder bei quer liegenden Wurzeln merkst du jedoch, dass du einen Wettkampfschuh trägst und keinen Schutzschuh. Mein Rat als Coach: Nimm den Pro nicht für dein technisches Bergtraining, heb ihn dir für das Rennen auf.
Grip und Missiongrip-Sohle
Die FEA-Arbeit hat sich ausgezahlt. Die V-förmigen 4-mm-Stollen greifen gut auf trockener Erde, festgetretenem feuchtem Boden, Schotter und trockenen Wurzeln. Die bekannte Schwäche der Schweizer Marke ist aber nicht ganz verschwunden: Auf nassem Fels und schmierigem Schlamm bleibt der Grip ausbaufähig und packt weniger aggressiv zu als Vibram Megagrip oder Contagrip von Salomon. Für einen Ultra bei trockenem Wetter oder normalen Bedingungen reicht das locker. Für einen verregneten UTMB würde ich mich anderweitig umsehen.
Haltbarkeit
Über 200 bis 300 km hält der Helion HF-Schaum gut durch (darin sind sich Tester international einig, und auch die ersten Rückmeldungen von Elite-Läufern bestätigen es). Das Missiongrip-Gummi wirkt haltbarer als beim Cloudultra 2, erreicht aber nicht die Abriebfestigkeit von Vibram Megagrip. Für einen Wettkampfschuh liegt er damit im oberen Mittelfeld: 600 bis 800 km Nutzungsdauer, je nach Körperbau und Untergrund.
Vergleich mit der Konkurrenz
Der Cloudultra Pro kommt in einem hart umkämpften Segment auf den Markt. So schlägt er sich gegen seine direkten Rivalen.
Hoka Tecton X 3 (230 €, 269 g): Der Tecton X 3 ist die Referenz unter den Carbon-Trailschuhen. Dank seiner parallelen Carbonplatten ist er beim Abdruck dynamischer, schützt auf sehr langen Distanzen aber weniger. Für einen laufbaren Lauf über 50 bis 100 km bleibt der Tecton X 3 meine erste Wahl. Über 100 Meilen hat der Pro dank seiner tieferen Dämpfung die Nase vorn.
Adidas Terrex Agravic Speed Ultra 2 (250 €, 276 g): der direkteste Konkurrent. Dank Continental Rubber und einem sehr großzügigen Lightstrike Pro-Schaum schützt er besser. Der Pro übertrifft ihn bei der Energierückgabe und der gefühlten Leichtigkeit, doch der Adidas bleibt in technischem Gelände vielseitiger.
Brooks Cascadia Elite (275 €, 276 g): der Trail-Superschuh von Brooks mit hufeisenförmiger SpeedVault+-Platte. Dank seiner ausgesparten Platte ist der Cascadia Elite auf sehr ruppigem Gelände stabiler, liefert aber weniger Punch bei der Energierückgabe. Schwankst du für einen technischen Trail über rund 80 km, nimm den Brooks. Für einen laufbaren Ultra den Pro.
Salomon Ultra Glide 4 (150 €, 280 g): ohne Platte, günstiger, haltbarer. Von der Positionierung her kein direkter Konkurrent (kein Race-Schuh), aber eine ausgezeichnete Wahl, wenn du einen vielseitigen Ultraschuh unter 200 € suchst, für lange Trainingsläufe genauso wie für das Rennen.
So baust du den On Cloudultra Pro in deinen RunMorph-Trainingsplan ein
Der Cloudultra Pro ist ein Wettkampfschuh, kein Schuh für das tägliche Training. So plane ich ihn mit meinen Läuferinnen und Läufern in einem Ultra-Vorbereitungszyklus ein:
- Long Runs in der Hochphase der Vorbereitung (45 bis 70 km): für 2 bis 3 Läufe in den letzten 8 Wochen vor dem Zielrennen, damit sich dein Körper an die Dynamik des Schuhs gewöhnt.
- Zielrennen: laufbare Ultra-Trails wie die Diagonale des Fous, der MIUT, der Lavaredo Ultra Trail, die Western States oder jeder Ultra mit weniger als 5000 Höhenmetern.
- Nicht geeignet für: den täglichen lockeren Dauerlauf, kurze Läufe, kurze Bergsprints und sehr technisches Gelände. Du würdest den Schuh verschleißen und im Rennen den Vorteil des Vortriebs verlieren.
Um deine Vorbereitung zu strukturieren, entdecke die RunMorph-Trainingspläne für Trail und Ultra. Mit einem RunMorph-Trailplan setzt du den Pro in den richtigen Einheiten ein (progressiver Long Run, Simulation der Renn-Pace) und tappst nicht in die Falle der Überbeanspruchung, die superkritische Schäume ruiniert.

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Das Urteil des RunMorph-Coachs
Als Coach begrüße ich, dass On endlich einen glaubwürdigen Trail-Superschuh gebaut hat. Jahrelang hatte die Schweizer Marke in diesem Segment gegen Hoka, Salomon oder La Sportiva das Nachsehen. Der Cloudultra Pro verändert die Ausgangslage: ein Ultraschuh für die Spitze des Feldes, entwickelt von den Ingenieuren von On und auf den Podien der Western States 2025 bestätigt.
Seine Stärken: außergewöhnliche Dämpfung, die lange hält, Energierückgabe auch bei Ermüdung, ein robustes und gut belüftetes Obermaterial, Vortrieb ohne übermäßige Steifigkeit. Seine Schwächen: ausbaufähiger Grip auf nassem Fels, begrenzte Stabilität in technischen Querhängen und ein hoher Preis (270 €), der ihn zu einer Investition für ambitionierte Läufer macht.
Meine Note: 8,5 von 10 für den Einsatz auf laufbaren Ultra-Trails. Die fehlenden 1,5 Punkte: der Kompromiss zwischen Grip und Aggressivität der Sohle, der den Schuh für sehr technisches oder sehr nasses Gelände ausschließt, und die Premium-Positionierung, die ihn erfahrenen Läufern vorbehält.
Das Wichtigste für dein Training
- Ein echter Trail-Superschuh: doppeltes Helion HF plus Speedboard, Energierückgabe über die gesamte Distanz, gemacht für laufbare Ultras.
- Für erfahrene Läufer: für Long Runs und Zielrennen reservieren, nicht als Daily Trainer einsetzen.
- Ordentlicher, aber kein überragender Grip: Missiongrip greift gut auf trockenem und festem feuchtem Boden, auf nassem Fels wird es knapper.
- Neutrale, leicht weite Passform: ideal für lange Distanzen, wenn der Fuß anschwillt, fällt größengerecht aus.
- Eine Investition von 270 €: sinnvoll, wenn du in den nächsten 12 Monaten einen großen Ultra-Trail vorbereitest. Sonst schau dir den Cloudultra 3 oder den Ultra Glide 4 an.
