Seit 2019 ist der S/Lab Pulsar Salomons technische Visitenkarte für kurze, schnelle Trails: ein dünner, kompromissloser Schuh für Läufer, die den Untergrund unter dem Fuß spüren wollen. Die Version 4, erschienen im Sommer 2025, folgt jedoch einer anderen Logik. Salomon hat an der Ferse 10 mm Stack Height draufgepackt, den Schaum verdichtet und die Passform verbreitert. Die Wette: den Pulsar komfortabler und vielseitiger machen, auch wenn er sich dabei von dem entfernt, was ihn ausgemacht hat. Bei RunMorph haben wir unabhängige Labormessungen mit mehreren französischsprachigen Praxistests abgeglichen, um zu prüfen, ob diese Wette aufgeht.

© Salomon, offizielles Foto, redaktionell verwendet
Salomon S/Lab Pulsar 4: Komfort statt Purismus bei einer Ikone der kurzen Trails
Lange war der Pulsar bei Salomon der Schuh für Puristen: dünn, bodennah, gemacht für kurze Trails und Bergintervalle. Mit der Version 4 schlägt die Marke aus Annecy einen deutlich anderen Kurs ein. Die Stack Height an der Ferse steigt gegenüber dem Pulsar 3 um 10 mm auf angegebene 34 mm (32,6 mm im unabhängigen Labor gemessen). Der Schaum wechselt von einer einzigen Lage Energy Foam zu einer doppelten Dichte aus optiFoam/optiFoam+, und das Gewicht legt zwischen den beiden Versionen um rund 45 g zu. Die Botschaft ist klar: Salomon will mit dem Pulsar mehr Läufer erreichen und nimmt in Kauf, einen Teil der eingefleischten Fans zu verlieren. Auf dem Papier bleibt das Versprechen verlockend (hochwertiges Matryx-Obermaterial, Active Chassis, Zusammenarbeit mit Athlet Rémi Bonnet). Auf dem Trail und im Labor fällt die Bilanz gemischter aus.
Technische Daten des S/Lab Pulsar 4: was sich wirklich ändert
| Merkmal | Wert |
| Marke | Salomon |
| Modell | S/Lab Pulsar 4 |
| Marktstart | Juni 2025 |
| Typ | Trail, Wettkampf auf kurzen bis mittleren Distanzen |
| Sprengung | 6 mm angegeben / 7,1 mm im unabhängigen Labor gemessen |
| Stack Height Vorfuß / Ferse | 28 mm / 34 mm angegeben (25,5 mm / 32,6 mm gemessen) |
| Gewicht (Unisex, Ref.) | 250 g angegeben / 247 g gemessen |
| Schaum | optiFoam (EVA) + optiFoam+ (PEBA/EVA) |
| Platte | Nein |
| Außensohle | All-Terrain Contagrip, Stollen 3,5 mm |
| Obermaterial | Matryx (Kevlar-Fäden), endoFit, Quicklace-Schnürung |
| Empfohlene Distanz | 10 km bis etwa 60 km |
| Offizieller Preis | 220 € |
Die Abweichung zwischen Herstellerangaben und unabhängigen Labormessungen ist keine Nebensache. Eine reale Sprengung, die näher an 7 mm als an 6 mm liegt, verändert das Abrollgefühl, und eine etwas geringere Stack Height als im Marketing erinnert daran, dass eine Anprobe mehr verrät als ein Datenblatt. Solche Abweichungen sind in der Branche üblich, aber RunMorph spricht sie lieber an, statt sie zu verschweigen.
Active Chassis und doppelter optiFoam: was ändert sich unter dem Fuß?
Die große technische Neuerung der Version 4 steckt in der Zwischensohle. Unten dämpft klassischer optiFoam (EVA) die Stöße, darüber sorgt optiFoam+ (eine EVA/PEBA-Mischung) für Reaktivität. Eine unabhängige Labormessung sieht die Dämpfung an der Ferse deutlich über dem Durchschnitt des getesteten Feldes, was den Eindruck einer schützenderen Ferse als beim Pulsar 3 bestätigt. Das Problem liegt bei der Energierückgabe: Mit 47,7 % an der Ferse bleibt sie weit hinter dem Durchschnitt des Feldes (56,7 %) zurück. Der Konsens der Praxistests bestätigt diesen Abstand und beschreibt einen Laufschritt, der trotz des zusätzlichen Materials an Spritzigkeit verloren hat.
Der Halt dagegen legt klar zu. Das Active Chassis, zwei steife Bänder, die den Mittelfuß einfassen, stabilisiert das Aufsetzen der Ferse selbst auf instabilem Untergrund zuverlässig. Eine unabhängige Messung der seitlichen Stabilität bestätigt ein Niveau weit über dem Durchschnitt, trotz einer eher schmalen Fersenkappe (84 mm). In diesem Punkt sind sich die Tests am deutlichsten einig: Der Pulsar 4 gibt bergab und auf unebenem Untergrund mehr Vertrauen als sein Vorgänger.

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Der Tipp von RunMorph: Wenn du vor allem Stabilität und eine bequeme Passform für technische Läufe ohne Carbonplatte suchst, hat der Pulsar 4 seinen Platz in deiner Rotation, neben einem dynamischeren Modell wie dem Hoka Zinal 3 für die Tage, an denen du mehr Spritzigkeit willst.
Der Praxistest: 20 bis 60 km zwischen Komfort und schwächelndem Grip
Auf dem Trail verhält sich der Pulsar 4 eher wie ein Tempo-Schuh als wie ein reiner Racer. Bei einer Pace von 4:30 bis 6 min/km auf laufbaren bis mittelschweren Pfaden fühlt sich der Bodenkontakt gedämpfter an als früher: Du sinkst leicht in die Dämpfung ein, statt von ihr abzufedern. Das gibt auf langen Läufen Sicherheit, nimmt einem Pulsar aber etwas von der erwarteten Explosivität. Auf kurzen, intensiven Einheiten (Intervalle, Bergläufe) macht sich die fehlende Dynamik deutlicher bemerkbar, was sowohl der Konsens der französischsprachigen Praxistests als auch die unabhängigen Messungen der Energierückgabe zeigen.
Beim Grip gehen die Quellen am weitesten auseinander, und RunMorph sagt das lieber offen, statt den Widerspruch zu glätten. Ein sehr ausführlicher französischsprachiger Praxistest mit mehreren Läufen bei Nässe stellt gegenüber dem Pulsar 3 einen deutlichen Grip-Verlust auf weichem und schmierigem Boden fest (Stollen auf 3,5 mm statt 4,5 mm reduziert), mit Rutschern bei schlammigen Abfahrten und fehlender Traktion auf Sand. Eine andere französischsprachige Bewertung gibt dem Schuh dagegen eine sehr hohe Grip-Note (9/10). Eine unabhängige Labormessung bestätigt insgesamt guten Halt am Boden, nennt aber ausdrücklich reduzierten Grip auf Gras oder Schlamm als Schwachpunkt. Der belastbarste Konsens: Auf festen Wegen, kompakten Pfaden und trockenem Geröll fühlt sich der Pulsar 4 sehr wohl, sobald der Boden weich oder durchnässt ist, wird es knapp.
Bei der Haltbarkeit sind sich die Tests einiger: Das Matryx-Obermaterial steckt Reibung sehr gut weg (keine nennenswerten Verschleißspuren nach längeren Tests), und eine unabhängige Messung bestätigt geringen Abrieb der Contagrip-Außensohle (weniger als 1 mm Materialverlust an den Stollen nach einem standardisierten Abriebverfahren). Die Passform ist weiter als bei den alten Pulsar-Modellen: Mittelfuß und Vorfuß bekommen mehr Volumen, auch wenn die Ferse schmal bleibt und durch den Wegfall der Mini-Gamasche jetzt etwas Staub und Kies eindringt.

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Salomon S/Lab Pulsar 4 vs. Ultra Glide 4 vs. Hoka Zinal 3: der Vergleich
| Modell | Gewicht | Sprengung | Stack Height Ferse | Einordnung | Preis |
| Salomon S/Lab Pulsar 4 | 250 g | 6 mm | 34 mm | Vielseitiger Racer 10-60 km, stabil | 220 € |
| Salomon Ultra Glide 4 | 280 g | 6 mm | 41 mm | Max-Cushion-Komfort für lange Distanzen | 150 € |
| Hoka Zinal 3 | 253 g | 5 mm | 31,8 mm | Leichter, dynamischer Trail-Racer | 160 € |
Gegenüber dem Ultra Glide 4 ist der Pulsar 4 leichter und präziser auf technischem Terrain, aber auf sehr langen Distanzen, wo die üppige Stack Height des Ultra Glide den Unterschied macht, deutlich weniger komfortabel. Gegenüber dem Hoka Zinal 3 fällt der Dynamik-Unterschied am stärksten auf: Der Zinal 3 erhält in unseren Tests eine klar bessere Dynamik-Note, während der Pulsar 4 auf Stabilität und Komfort setzt. Wenn du zwischen beiden schwankst, läuft die Wahl auf eine einfache Frage hinaus: Willst du Spritzigkeit (Zinal 3) oder beruhigende Stabilität (Pulsar 4)?
Vorteile
- Deutlich mehr Dämpfung, gemessen über dem Durchschnitt des getesteten Feldes
- Sehr solide seitliche Stabilität dank Active Chassis
- Hochwertiges Matryx-Obermaterial, breitere und bequeme Passform
- Haltbarkeit von Obermaterial und Außensohle durch die Tests bestätigt
- Zehenbox mit viel Höhe, gut für lange Läufe
Nachteile
- Enttäuschende Energierückgabe für einen Wettkampfschuh zu diesem Preis
- Schwächerer Grip auf weichem, grasigem oder schlammigem Boden
- Begrenzte Atmungsaktivität, Obermaterial wärmer als bei den alten Pulsar-Modellen
- Minimalistisches Gefühl und Dynamik der Vorgänger gehen verloren
- Hoher Preis (220 €) angesichts der gemessenen Leistung
Unser Fazit aus der Praxis: für wen ist der Pulsar 4 wirklich gemacht?
Läufer, die sich auf einen laufbaren Trail von 20 bis 50 km vorbereiten
Das naheliegendste Profil. Stabilität und Dämpfung des Pulsar 4 passen gut zu mittleren Distanzen auf kompakten Pfaden, wo die Version 3 die Beine früher ermüdet hätte.
Ehemalige Pulsar-Läufer, die reine Dynamik suchen
Weniger eindeutig. Wenn du den Pulsar 3 für seine Bodennähe und Reaktivität geliebt hast, könnte dich die Version 4 enttäuschen: Was sie an Komfort gewonnen hat, hat sie an Spritzigkeit verloren.
Läufer, die vor allem auf nassen oder schlammigen Pfaden trainieren
Hier besser Finger weg. Die 3,5-mm-Stollen und die kleinere Kontaktfläche stoßen an ihre Grenzen, sobald der Boden schmierig wird. Greif lieber zu einem bissigeren Schuh wie dem Speedcross.
Für deine Vorbereitung: Der Pulsar 4 passt gut in eine Trail-Vorbereitung auf 20 bis 50 km, vor allem für Tempoeinheiten und hügelige Läufe, bei denen Stabilität wichtiger ist als Explosivität. Kombiniere ihn mit einem RunMorph-Plan, der zu deinem Ziel passt, um deine Trainingswochen zu strukturieren: Entdecke die RunMorph-Trainingspläne.
RunMorph-Fazit
Der Salomon S/Lab Pulsar 4 ist ein gut verarbeiteter Schuh, der sich gegenüber seinen Vorgängern klar neu ausrichtet. Er gewinnt an Komfort, Stabilität und Distanzspektrum, verliert aber die Dynamik und einen Teil des Grips, die zur DNA der Modellreihe gehörten. Die im unabhängigen Labor gemessene Energierückgabe, deutlich unter dem Durchschnitt für einen Wettkampfschuh für 220 Euro, drückt sein Urteil am stärksten. Ein guter, stabiler und vielseitiger Trailschuh, aber nicht der explosive Racer, den sein Name verspricht. 7,8/10.